Für sozialistische Demokratie weltweit
[Druckversion] Thema: SAV, veröffentlicht: 29.08.2002
Die SAV - wer wir sind und was wir wollen
(auch als
PDF zum Download)
Der Wahnsinn geht weiter
Deutschland hat sich verändert. Mit Agenda 2010 und Hartz IV wurde nicht
nur – wie schon in den Jahren zuvor - Sozialabbau betrieben, sondern die
Zerstörung der sozialen Sicherungssysteme begonnen. Das Ergebnis: viel
mehr Armut, Zwangsarbeit durch Ein-Euro-Jobs, Schikane auf den Ämtern.
Die Unternehmer nutzen Hartz IV als Keule gegen die Beschäftigten. Mit
der Drohung von Entlassungen und der damit verbundenen Perspektive auf
Abrutschen in die Armut durch Hartz IV werden Belegschaften genötigt,
Arbeitszeitverlängerungen und Lohnkürzungen hinzunehmen. Der
Lebensstandard der Massen sinkt. Zukunftsängste und Stress nehmen zu und
machen immer mehr Menschen krank. Das Leben wird weniger lebenswert.
Gleichzeitig steigen die Profite der Unternehmen und gibt es
Rekordgewinne bei Banken und Konzernen. Im Jahre 2006 haben die 30
größten DAX-notierten Konzerne trotz siebenprozentiger Gewinnsteigerung
insgesamt 55.000 Arbeitsplätze vernichtet.
Die Regierung handelt nach demselben Prinzip. Um die
Steuererleichterungen für die Unternehmen und die Vermögenden „gegen
finanzieren“ zu können, gibt es Nullrunden in der Rente, Einsparungen in
der Gesundheitsversorgung, Kürzungen und Streichungen in der sozialen
und kulturellen Infrastruktur. Im öffentlichen Dienst werden die
Beschäftigten ebenfalls mit der Drohung von Arbeitsplatzvernichtung in
Absenkungstarife gezwungen. Die etablierten Parteien fühlen sich nicht
den Interessen der Mehrheit der Bevölkerung verpflichtet, sondern denen
der Banken und Konzerne.
Gleichzeitig steuert der Planet aufgrund der Umweltzerstörung auf eine
Katastrophe zu. Doch der CO2-Ausstoß wird nicht verringert, obwohl viel
darüber geredet wird. Dieselben Politiker, die im Interesse der großen
Konzerne auf wirkliche Umweltschutzmaßnahmen verzichten, führen im
Interesse der Konzerne Krieg im Irak und in Afghanistan.
Deutschland is dabei nicht weniger imperialistisch als andere Staaten,
nur (noch) militärisch schwächer. Es werden wieder „deutsche Interessen
am Hindukusch verteidigt“ und Bundeswehr-Soldaten weltweit eingesetzt.
Diese imperialistische Politik führt dazu, dass die Rüstungsausgaben in
den letzten Jahren immer weiter erhöht wurden und die Sozialausgaben
gesenkt.
Dieser Wahnsinn hat System
Wir leben im Kapitalismus. Dieses System ist eine Klassengesellschaft.
Vor über 150 Jahren stellte Karl Marx fest, dass Armut bei
gleichzeitigem Überfluss in der kapitalistischen Gesellschaftsform
unvermeidlich ist. Was wir heute sehen ist, ein noch niemals da
gewesener Reichtum und gleichzeitig Massenarmut und Elend. Technisch war
noch nie so viel möglich wie heute. Komplexe Computersysteme und
intelligente Kommunikationsnetzwerke wurden aufgebaut. Gleichzeitig
haben hunderte Millionen von Menschen noch nie ein Telefon gesehen. Das
ist die Realität eines Systems, das nicht für die Bedürfnisse
produziert, sondern für den Profit.
Im Kapitalismus stehen sich zwei Hauptklassen gegenüber. Auf der einen
Seite die Arbeiterklasse, die den gesellschaftlichen Reichtum
produziert. Unter Arbeiterklasse verstehen wir alle Lohnabhängigen, all
die Menschen, die zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts ihre
Arbeitskraft verkaufen müssen. Egal, ob sie offiziell ArbeiterInnen,
Angestellte oder Beamte sind. Egal, ob sie gerade einen Arbeitsplatz
haben oder auf der Suche danach sind. Der Reichtum, der von der
Arbeiterklasse produziert wird, wird privat von einer kleinen Minderheit
angeeignet. Diese Minderheit ist die Klasse von Kapitalisten, die ihre
ganze ökonomische und politische Macht nutzen kann, um ihre Privilegien
zu verteidigen. Staatliche Institutionen einschließlich der in den
Parlamenten dominierenden Parteien sind direkt oder indirekt mit ihr
verstrickt.
Kapitalistischen Wahnsinn beenden!
Die SAV akzeptiert diese Verhältnisse nicht. Wir leisten Gegenwehr! In
aller Welt gehen ArbeiterInnen und Jugendliche auf die Straße für die
Verteidigung von Sozialstandards, gegen Krieg und rassistische
Diskriminierung, für eine lebenswerte Existenz.
In einigen lateinamerikanischen Ländern haben Massenbewegungen die Frage
des Sozialismus im 21. Jahrhundert auf die Tagesordnung gestellt. Auch
in den europäischen Ländern nimmt der Widerstand zu. In den letzten
Jahren gab es in mehreren europäischen Ländern eine ganze Reihe von
Streiks und Massenproteste.
In den nächsten Jahren werden Proteste und Widerstand weitergehen und
größer werden, weil den von Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und
Lohnkürzung Betroffenen keine Wahl bleibt, als sich zu wehren. Doch um
erfolgreich Widerstand leisten zu können, ist eine politische
Alternative zum Kapitalismus nötig.
Wenn aber keine starke linke Alternative aufgebaut wird, ist die Gefahr
groß, dass die Neonazis von der Krise der Gesellschaft und dem
berechtigten Unmut in der Bevölkerung profitieren. Dies muss verhindert
werden.
Die SAV beteiligt sich aktiv am Widerstand gegen Sozialabbau,
Entlassungen, Krieg, Umweltzerstörung und baut eine sozialistische
Alternative auf.
Diese Broschüre ist ein Programm, um den Widerstand gegen die
kapitalistischen Verhältnisse zu stärken und ihm eine politische
Orientierung zu geben. Die SAV steht für eine Alternative zu Ausbeutung,
Umweltzerstörung und Krieg und schlägt einen Weg vor, wie diese
Alternative erreicht werden kann.
Arbeit und Soziales
In keinem anderen Land Westeuropas gab es eine solch rasante und
tiefgehende Zerstörung von sozialer Absicherung, Lohnstandards und
Arbeitsbedingungen, wie in den letzten Jahren in Deutschland.
Agenda 2010 und Hartz IV sind zum Synonym für Armut, soziale
Unsicherheit und Zukunftsangst geworden. Armut ist in Deutschland wieder
ein Massenphänomen. 1,5 Millionen Kinder sind davon betroffen.
Regierung und Kapital haben eine Offensive gegen den Lebensstandard der
Bevölkerungsmehrheit gestartet. Warum? Weil niedrigere Löhne und
geringere Sozialausgaben höhere Profite für die Banken und Konzerne
bedeuten. Die Behauptung all diese Maßnahmen seien nötig, um die
Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu gewährleisten und weil
die Staatskassen leer sind, sind reine Lügen. Dass Lohnverzicht keine
Arbeitsplätze schafft, konnte man in den letzten Jahren sehen. Ganz
abgesehen davon, dass die Lohnstückkosten in Deutschland relativ niedrig
sind. Das ist ein Grund, weshalb die deutsche Wirtschaft
Exportweltmeister ist. Die Staatskassen sind leer, weil sie von
Regierung und Kapital geplündert wurden. Wären die Unternehmenssteuern
heute so hoch wie 1980, wären 50 Milliarden Euro jährlich mehr im
Bundeshaushalt.
Das Leben wird durch diese Politik für immer mehr Menschen zur Hölle.
Angst und Verzweiflung verbreiten sich und führen zu Aggressionen,
psychischen Krankheiten, Verrohung. Der Gang durch die Arbeitsagenturen
ist entwürdigend. Kein Wunder, dass es Selbstmorde von Erwerbslosen
aufgrund ihrer sozialen Lage gibt und ein erster Erwerbsloser in seiner
Wohnung verhungert ist.
Leiharbeit, Niedrigstlöhne, Arbeiten auf Abruf, Überleben nur mit
mehreren Jobs - all das nimmt zu. Prekarisierung wird das genannt und
ist zu einem Massenphänomen geworden. Die Arbeitsplätze, die im so
genannten Aufschwung der Jahre 2006 und 2007 geschaffen wurden, sind nur
in den seltensten Fällen sichere und dauerhafte Arbeitsverhältnisse.
Gleichzeitig werden die Wochen- und die Lebensarbeitszeit verlängert -
angesichts von Millionen Arbeitslosen kann wohl kaum eine andere
Maßnahme die Ignoranz der Kapitalisten gegenüber den Bedürfnissen der
Bevölkerung so deutlich zum Ausdruck bringen.
Arbeitszeitverkürzung und Mindestlohn
Die Arbeiterklasse befindet sich in der Defensive. Aber viele Kämpfe
gegen Betriebsschließungen und die großen Bewegungen gegen die Agenda
2010 und Hartz IV haben auch gezeigt, dass Widerstand möglich ist.
Dieser müsste durch die Gewerkschaften zusammen gefasst und organisiert
werden. Dann könnten Betriebsschließungen und Massenenttlassungen
verhindert und auch Verbesserungen erreicht werden, die dringend nötig
sind. Wie zum Beispiel eine deutliche Arbeitszeitverkürzung. Immer mehr
Beschäftigte arbeiten wieder 40, 41, 42 oder sogar mehr Stunden in der
Woche. Doch nur mit einer Arbeitszeitverkürzung in großen Schritten und
bei vollem Lohn- und Personalausgleich wird die Massenarbeitslosigkeit
wirksam bekämpft werden können. In einigen Branchen, vor allem im
öffentlichen Dienst, wird das erst einmal bedeuten, dass der Kampf für
die 35 Stunden-Woche wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden muss.
Aber um deutlich zu machen, dass das Ziel die Verteilung der vorhandenen
gesellschaftlich sinnvollen Arbeit auf alle ist, setzt sich die SAV
weiterhin dafür ein, dass die Forderung nach einer Verkürzung der
Arbeitszeit auf 30 Stunden in der Woche aufgestellt und dafür gekämpft
wird.
Lohn- und Personalausgleich sind dabei von entscheidender Bedeutung.
Viele KollegInnen haben die Erfahrung gemacht, dass Abeitszeitverkürzung
ohne Personalausgleich zu mehr Stress und Arbeitsdruck führt. Und ohne
Lohnausgleich können sich viele Beschäftigte eine Verteilung der
vorhanden Arbeit gar nicht leisten. Ein Lohnausgleich hingegen ist
endlich ein Beitrag zur Umverteilung von oben nach unten.
Wir setzen uns auch für einen Mindestlohn ein, der kein Armutslohn ist.
Die SAV hat seit Jahren die Forderung nach einem Mindestlohn von zwölf
Euro in der Stunde aufgestellt, weil wir der Meinung sind, dass 1820
Euro (bezogen auf eine 35 Stunden-Woche) ein Minimum an Lebensqualität
ermöglicht. In den Gewerkschaften und in der Linksfraktion im Bundestag
werden aber Mindestlöhne von 7,50 Euro bzw. acht Euro gefordert, was zu
1.155 bzw. 1.232 Euro brutto führen würde. Mit einem solchen Monatslohn
wird so mancher Familienvater und so manche Mutter noch zusätzlich
ergänzendes Arbeitslosengeld II beantragen müssen. In der
gewerkschaftlichen Linken und in den sozialen Bewegungen wurde gegen
diese viel zu niedrigen Forderungen die Forderung nach einem Mindestlohn
von 10 Euro aufgestellt. Die SAV unterstützt diese Forderung als einen
ersten Schritt hin zu einem höheren Mindestlohn und will sich mit
anderen linken Kräften dafür einsetzen, dass Gewerkschaften und
Linksfraktion einen Mindestlohn von wenigstens zehn Euro einfordern.
Kampf gegen Betriebsschließungen und Massenentlassungen
In den letzten Jahren gab es eine Welle von Massenentlassungen und
Betriebsschließungen, oftmals verbunden mit Produktionsverlagerungen
nach Osteuropa. Oft wird aber mit Schließung auch nur gedroht, um die
Beschäftigten zu Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung zu erpressen.
Häufig haben sich Betriebsräte und Gewerkschaftsführungen auf die
Profitlogik der Unternehmer eingelassen und Lohnsenkungen in
vorauseilendem Gehorsam akzeptiert. Doch wer sich auf die Profitlogik
einlässt, ist verloren. Denn wenn es nach den Kapitalisten geht, wird
eine Abwärtsspirale in Sachen Löhne, Arbeitszeiten und
Arbeitsbedingungen in Gang gesetzt, die ihr Ende in den Standards von
Vietnam oder Nigeria hat. Darauf darf sich die Arbeiterklasse nicht
einlassen.
Entlassungen können nur verhindert und Betriebe gerettet werden, wenn
ein entschlossener Kampf organisiert wird. Dies haben eine Reihe von
Belegschaften, zum Beispiel bei AEG Nürnberg und BSH Berlin, versucht,
wurden aber durch die Gewerkschaftsführung ausgebremst.
Die SAV tritt dafür ein, dass solche Kämpfe unter der demokratischen
Kontrolle der streikenden Belegschaften laufen und es keine Abschlüsse
ohne die Zustimmung von Streikversammlungen gibt. Um aber der
Profitlogik tatsächlich etwas entegegen zu setzen, muss auch das
Privateigentum an Fabriken in Frage gestellt werden. Denn nur, wenn
betroffene Betriebe nicht mehr in pivater Hand sind, können
Arbeitsplätze dauerhaft gerettet werden.
Die SAV fordert:
1.Weg mit der Agenda 2010 und Hartz I bis IV
2.Sofortige Einführung eines Mindestlohns von zehn Euro pro Stunde als
erster Schritt zu einem Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde
3.Automatische Anpassung der Löhne an Inflation und
Sozialversichrungsbeitrags-Erhöhungen
4.Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – in Ost und West, für Frau und Mann,
für Deutsche und MigrantInnen
5.Garantierte Mindestsicherung für Erwerbslose und Arbeitsunfähige und
Mindestrente von 750 Euro plus Warmmiete – ohne Bedürftigkeitsprüfung,
Schikanen und Durchleuchtung
6.Nein zur Rente mit 67 - Senkung des Renteneinstiegsalters auf 58 Jahre
7.Gegen jede Form von Zwangsarbeit; Umwandlung von Ein-Euro-Jobs in
sozialversicherungspflichtige, tariflich abgesicherte, unbefristete
Arbeitsverhältnisse
8.Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich
– Verteilung der vorhandenen sinnvollen Arbeit auf alle Arbeitsfähigen
9.Nein zu ungesicherten und prekären Arbeitsverhältnissen; Kampf gegen
Leiharbeit und Einsatz von Fremdfirmen: ein Betrieb - eine Belegschaft!
Für eine gewerkschaftliche Kampagne zur Organisierung von prekär
Beschäftigten und sogenannten „illegal“ Beschäftigten
10.Öffentliche Aufträge nur an Firmen, die den Flächentarifvertrag und
gewerkschaftliche Rechte einhalten
11.Für ein öffentliches Investitionsprogramm zur Schaffung von einer
Million Arbeitsplätzen jährlich in den Bereichen Bildung, Umwelt,
Gesundheit, öffentlicher Verkehr und Soziales – finanziert durch die
Milliardengewinne der Banken und Konzerne
12.Keine Verlagerung von Arbeitsplätzen und Produktionsstätten ohne die
Zustimmung der Belegschaft
13.Vollständige Offenlegung aller Finanztransaktionen und
Betriebsinterne gegenüber der Belegschaft; Vollständige Kontrolle von
Produktion, Einstellungen, Entlassungen, Investitionen, Einhaltung von
Umwelt- und Arbeitsschutzstandards, Steuerzahlungen etc. durch
demokratisch gewählte Belegschaftskomitees
14.Überführung in öffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und
Verwaltung von solchen Betrieben, die Entlassungen und Verlagerungen
vornehmen wollen. Entschädigung nur bei erwiesener Bedürftigkeit.
Fortführung der Produktion unter der Kontrolle und Verwaltung von
Belegschaftskomitees und gewählten VertreterInnen der arbeitenden
Bevölkerung.
Privatisierung ist Diebstahl
Auf der Jagd nach Profiten haben die Kapitalisten dafür gesorgt, dass in
den letzten Jahren privatisiert wurde, was nicht niet- und nagelfest
war. Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe, Wasserwerke, Telekom,
Stromversorger, Wohnungsbaugesellschaften - sogar Universitäten,
Gefängnisse und Sparkassen stehen auf der Wunschliste des Kapitals.
Es hatte gute Gründe, dass diese Bereiche in der Vergangenheit nicht den
kapitalistischen Marktgesetzen ausgeliefert waren. Sie sollen zu
Versorgung der grundlegenden Bedürfnisse der Allgemeinheit dienen. Wenn
Gesundheit zur Ware wird, bleiben die weniger zahlungskräftigen und
chronisch kranken PatientInnen auf der Strecke. Wenn es keinen Einfluss
der Kommunen auf den Wohnungsmarkt gibt, werden Mieten noch einfacher
von den Vermietern in die Höhe getrieben. Wenn die Wasser-, Gas- und
Stromversorgung von Privatkapitalisten organisiert wird, werden
Sicherheitsstandards als Kostenfaktoren abgebaut und Gebühren für die
Masse der Bevölkerung erhöht.
Privatisierung ist immer Diebstahl am öffentlichen Eigentum, denn der
Aufbau der öffentlichen Betriebe und Einrichtungen wurde durch die
Steuergelder von allen finanziert. Deshalb lehnt die SAV alle
Privatisierungen ab, nicht nur in Fällen der öffentlichen
Daseinsvorsorge. Unter Privatisierungen leiden immer die Beschäftigten,
weil Arbeitsplätze vernichtet und Löhne gekürzt werden und die
VerbraucherInnen, weil der Service verschlechtert und die Preise
gesteigert werden. Deshalb lehnt die SAV Privatisierungen - egal in
welcher Form - grundsätzlich ab. Denn auch Teilprivatisierungen und so
genannte "Public Private Partnerships" dienen nur dazu, vollständige
Privatisierungen schrittweise durchzusetzen und Marktgesetze einzuführen.
"Aber die Bürokratie in den öffentlichen Unternehmen", wenden viele
Befürworter von Privatisierungen ein. Ganz abgesehen davon, dass es auch
in privaten Unternehmen unnötige Verwaltungsapparate und Korruption
gibt, müssen staatliche Einrichtungen nicht aus bürokratischen
Wasserköpfen bestehen. Deshalb tritt die SAV für eine demokratische
Kontrolle und Verwaltung der öffentlichen Einrichtungen durch die
Beschäftigten und gewählte VertreterInnen aus der arbeitenden
Bevölkerung ein. Denn wenn nicht abgehobene Bürokraten entscheiden,
sondern gewählte und rechenschaftspflichtige VertreterInnen der
Allgemeinheit, können auch Misswirtschaft, Korruption und Bürokratismus
der Boden entzogen werden.
Die SAV fordert:
1.Nein zu Privatisierungen jeder Art – ob Public Private Partnerships,
Teilprivatisierungen oder Überführungen öffentlicher Betriebe in private
Rechtsformen
2.Rücküberführung der privatisierten Betriebe und Einrichtungen in
öffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch
Belegschaftskomitees und VertreterInnen der arbeitenden Bevölkerung
3.Statt überbezahlter Manager und korrupter Bürokraten:
durchschnittlicher Tariflohn und jederzeitige Wähl- und Abwählbarkeit
für alle Personen in Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst und
öffentlichen Betrieben
Kapitalismus macht krank
Zunehmender Stress und Zukunftssorgen und immer mehr negative
Umwelteinflüsse lassen die Menschen häufiger und schlimmer krank werden.
Insbesondere psychische Erkrankungen nehmen zu. Gleichzeitig wird die
Gesundheitsversorgung nicht aus-, sondern abgebaut. Seit Jahren reiht
sich eine Gesundheitsreform an die andere und immer kommt dabei heraus,
dass die Kosten für die Masse der Bevölkerung zunehmen und Vorsorge und
Versorgung eingeschränkt werden.
Immer mehr Menschen gehen nicht mehr zum Arzt, weil sie sich die
Praxisgebühr nicht leisten können, andere holen sich die verschriebenen
Medikamente nicht in der Apotheke, weil sie die Zuzahlungen nicht
bezahlen können. Menschen mit geringem Einkommen sterben in diesem Land
durchschnittlich sieben Jahre früher als die Reichen.
Die früher einmal bestehende paritätische Finanzierung des
Gesundheitswesens durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehört längst der
Vergangenheit an. Mittlerweile kommen die abhängig Beschäftigten für
über sechzig Prozent der Gesundheitskosten auf.
Gleichzeitig wurden in den letzten 15 Jahren zehntausende Arbeitsplätze
in den Krankenhäusern abgebaut. Der Job als KrankenpflegerIn oder Arzt
macht krank. Überstunden sind die Regel. Psychosoziale Betreuung von
PatientInnen in Krankenhäusern und Pflegeheimen ist aufgrund der
Arbeitsüberlastung nahezu ausgeschlossen.
Die Regierung spricht seit Jahren von der „Kostenexplosion“ im
Gesundheitswesen. Diese mache Einsparungen notwendig. Das ist eine reine
Propagandabehauptung, mit der von den eigentlichen Problemen abgelenkt
werden soll. Die Ausgaben im Gesundheitswesen im Verhältnis zum
Bruttoinlandsprodukt sind in den letzten Jahrzehnten ziemlich konstant
geblieben. Es gibt daher kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmeproblem.
Denn durch die steigende Massenarbeitslosigkeit und sinkende Reallöhne
sind die Beiträge zur Krankenversicherung gesunken.
Gesundheitsindustrie
Während sich die Masse der Bevölkerung immer weniger Medikamente leisten
kann, machen die Pharmakonzerne Rekordgewinne. Aus dem Gesundheitswesen
ist eine Gesundheitsindustrie geworden, deren Eigentümer und
Großaktionäre den Hals nicht voll bekommen. Ein Krankenhaus nach dem
anderen wird privatisiert. Der Patient wird zum Kunden – und in der
Marktwirtschaft werden zahlungskräftige Kunden bevorzugt behandelt.
Vom gesellschaftlichen Standpunkt betrachtet ist die Demontage des
Gesundheitswesens absoluter Irrsinn und völlig unökonomisch. Statt
Krankheiten vorzubeugen, wird an den Schäden herumgedoktert, wenn es oft
schon zu spät ist. Nötig wäre ein massiver Ausbau der
Gesundheitsforschung und der Vorsorge. Wenn zum Beispiel nicht
verschiedene private Forschungsinstitute auf der Suche nach wichtigen
Impfstoffen und Medikamenten gegeneinander arbeiten würden, sondern die
Forschungserkenntnisse öffentlich ausgetauscht würden und miteinander
kooperiert würde, könnte der Kampf gegen AIDS, Krebs und andere
Krankheiten viel schneller zum Erfolg führen. Wenn in Kindergärten,
Schulen und am Arbeitsplatz gezielte Gesundheitsaufklärung und
-prophylaxe betrieben würde, könnten viele Krankheiten vermieden werden.
Angefangen bei einer gesunden und bewussteren Ernährung bis hin zu
regelmäßiger kostenloser Gymnastik und Massagen in Berufen mit zum
Beispiel rückenschädigender Wirkung. Aber solchen Maßnahmen stehen die
Profitinteressen der Lebensmittel-, Pharma- und Gesundheitsindustrie im
Weg. Ein gesundes Leben für alle ist deshalb im Kapitalismus nicht zu
erreichen.
1.Rücknahme der verschiedenen Gesundheits“reformen“ der letzten Jahre –
weg mit Eigenbeteiligungen, Fallpauschalen, Praxisgebühr, Zuzahlungen
etc.; Nein zur Aushöhlung der paritätischen Finanzierung der
Gesundheitskosten zu Lasten der ArbeitnehmerInnen
2.Enteignung der Pharma-, Bio-, Gentechnik-, Medizingeräte- und
Lebensmittelindustrie, sowie der privaten Krankenhaus-Konzerne und
Überführung in öffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und
Verwaltung durch die Beschäftigten, gesetzliche Krankenkassen und
VertreterInnen der arbeitenden Bevölkerung
3.Schluss mit gentechnischer Manipulation von Saatgut und
Nahrungsmitteln; vollständige Offenlegung aller Unterlagen über
gentechnische Forschung; Stopp sämtlicher gentechnischer Projekte außer
öffentlich und demokratisch kontrollierter Grundlagenforschung
4.Für ein massives staatliches Investitionsprogramm zur Sanierung von
Krankenhäusern und Pflegeheimen, zur Förderung der Gesundheitsvorsorge
und Forschung – finanziert durch die Gewinne der Banken und Konzerne
5.Gleichbehandlung aller PatientInnen; flächendeckende Einführung von
Polikliniken und Arztzentren zur verbesserten Zusammenarbeit von
stationärer und ambulanter Versorgung
6.Kontrolle von Krankenhäusern und Pflegeheimen durch gewählte
Belegschaftskomitees und VertreterInnen von PatientInnen und Heiminsassen
7.Statt Konkurrenz unter den Krankenkassen: Abschaffung der privaten
Krankenkassen und Zusammenführung aller Kassen zu einer einzigen
öffentlichen Krankenkasse unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung
durch Belegschaftskomitees und von VertreterInnen der arbeitenden
Bevölkerung.
8.Umwandlung des Gesundheitswesens zu einem kostenlosen, staatlichen
Gesundheitswesen finanziert durch die Gewinne der Banken und Konzerne
Gemeinsam gegen Rassismus und Sozialabbau.
Seit einigen Jahren sprechen Politiker und „Experten“ ihren Text von
„nicht-integrierbaren Ausländern“ in die Mikrofone. In politischen
Talkrunden wird der Islam, dem 1,2 Milliarden Menschen angehören, in die
Nähe von Terror gerückt. Unsichtbare Parallelgesellschaften sind
angeblich die großen Bedrohungen für Demokratie und Gesellschaft. Der
verzweifelte Hilferuf des Lehrpersonals der Rütli-Schule in
Berlin-Neukölln wurde wochenlang medial ausgeschlachtet, um Kinder und
Jugendliche islamischen Glaubens als potenziell gewaltbereit
darzustellen. Parolen, wie, „Multikulti ist gescheitert!“, gehen einher
mit dem Ruf nach einem „Ende der Toleranz“ und mehr Härte gegen
angeblich integrationsunwillige ImmigrantInnen.
Krisengebiet Schule?
Doch wie ist es wirklich? Anfang 2006 besuchte ein
UN-Sonderberichterstatter, sonst nur in den Krisengebieten dieser Welt
unterwegs, die Bundesrepublik. Sein Auftrag: Sich einen Überblick über
die Chancen und Nachteile im deutschen Bildungssystem verschaffen. Das
Ergebnis: erschreckend!
Der UNO-Gesandte stellte fest, dass 42 Prozent der MigrantInnen einen
Hauptschulabschluss und nur neun Prozent das Abitur erringen. Deutsche
Jugendliche hingegen besuchen nur zu 25 Prozent die Hauptschule, ein
Viertel schafft das Abitur. Der Rückstand der 15-jährigen MigrantInnen
in der Lesekompetenz gegenüber Deutschen: Zwei Schuljahre! Das ist
institutionelle Selektion basierend auf der durchschnittlich
schlechteren sozialen Lage von Migrantenkindern und auf dem Fehlen
spezieller Sprach-Förderungsmaßnahmen. Die Studie stellte fest, dass
bestimmte Gruppen besonders stark benachteiligt werden: Kinder aus armen
Familien, Migrantenkinder, Kinder mit Behinderungen und
Flüchtlingskinder, sowie Kinder, die in Deutschland ohne Papiere leben.
Im UNO-Bericht heißt es: „Das System scheint [...] einen negativen
Effekt zu haben, denn die Benachteiligten werden zu doppelt
Benachteiligten.“
Desintegrationspolitik
Das ist nur ein Beispiel für die Selektion, der Menschen mit
Migrationshintergrund zum Opfer fallen. Die Arbeitslosenquote unter
MigrantInnen ist ein weiteres Beispiel für den „Integrationswillen“ der
Herrschenden in Deutschland. Mit 20,4 Prozent ist sie mehr als doppelt
so hoch wie unter Menschen mit deutschem Pass.
Das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Gesellschaft.
AusländerInnen haben generell schlechtere Chancen auf einen Ausbildungs-
und Arbeitsplatz, düstere Zukunftsaussichten, landen häufiger in
sozialen Brennpunkten und Ghettos. Durch den Sozial- und
Bildungskahlschlag wird diese Ausgrenzung weiter zunehmen. Die
Aufforderung, sich gefälligst in die deutsche Gesellschaft zu
integrieren, ist für die Betroffenen und Opfer alltäglicher Ausgrenzung
bestenfalls lächerlich, in der Regel aber eine zynische Provokation.
Land ohne Asyl
Seit der faktischen Abschaffung des Asylrechts im Jahre 1994 ist die
Zahl der AsylberwerberInnen kontinuierlich gesunken. Waren es im Jahre
1998 knapp 99.000 flüchtige Menschen, die in Deutschland einen
Asylantrag gestellt haben, waren es im Jahre 2006 nur noch 21.000.
Entscheidend ist, dass kaum noch jemand anerkannt wird. Bei 30.756
Entscheidungen des Bundesamtes sind nur 251 Personen als Asylberechtigte
anerkannt worden. 1.097 Menschen erhielten einen Abschiebeschutz. Mit
dem Mittel der Kettenduldungen werden MigrantInnen in permanenter
Unsicherheit und Angst gehalten.
Bürgerliche Politiker, die den Sozialabbau forcieren und parallel dazu
das Scheitern einer angeblichen Multikulti-Gesellschaft deklarieren,
spielen den Nazis in die Hände. Mit Parolen wie „Multikulti abschaffen“,
greifen Nazibanden die Stichworte der etablierten Politik auf und haben
die Möglichkeit, ihre rassistischen Antworten als zu Ende gedachte
Konsequenz der von den etablierten Politikern selber vorgebrachten
Propaganda darzustellen.
Gemeinsam kämpfen!
Angesichts von Hartz IV und Lohndrückerei wächst die Unzufriedenheit und
die Wut in der Bevölkerung. Die Wirtschaftsbosse und ihre Marionetten
aus Medien und Politik konstruieren Bedrohungsszenarien von
„Parallelgesellschaften“ und „Überfremdung“. Von den sozialen
Verhältnissen und der Verantwortung von Regierung und Kapital für diese
wird auf diese Weise abgelenkt. Es wird einmal mehr deutlich, dass den
Herrschenden alle Mittel recht sind, wenn es darum geht, die
kapitalistischen Eigentums- und Machtverhältnisse zu verteidigen. Sie
bedienen sich des Mittels „teile und herrsche“ und versuchen einen Teil
der Arbeiterklasse auf einen anderen zu hetzen, um sie insgesamt zu
schwächen. Rassismus dient vor allem zur Spaltung der von Sozialabbau
und Angriffen auf den Lebensstandard Betroffenen.
Es sind die Milliardäre, Wirtschaftsbosse und ihre Vertreter, die
tatsächlich in einer „Parallelgesellschaft“ leben. Sie führen nicht das
Leben der Bevölkerungsmehrheit und kennen deren Sorgen nicht.
Kapitalismus bedeutet Reichtum und Macht für eine kleine Minderheit.
Die Spaltung der arbeitenden Bevölkerung entlang nationaler Linien kann
durch den gemeinsamen Kampf für die Verbesserung der Lebensbedingungen
überwunden werden. Wenn deutsche und nicht-deutsche Jugendliche und
ArbeiterInnen für ihre gemeinsamen Interessen auf die Straße gehen und
streiken, erkennen sie, dass sie mehr verbindet, als trennt. „Tous
ensemble“, „alle gemeinsam“ – das ist die moderne Übersetzung der alten
Parole am Schluss des Kommunistischen Manifests: „Proletarier aller
Länder vereinigt Euch.“
1.Weg mit allen Sondergesetzen für MigrantInnen
2.Nein zum Kopftuchverbot – für Religionsfreiheit
3.Volles Wahlrecht und gleiche Rechte für alle hier lebenden Menschen
4.Sofortiger Abschiebestopp, Auflösung aller Abschiebegefängnisse;
Bleiberecht für alle hier lebenden Menschen
5.Einführung eines uneingeschränkten Asylrechts
6.Bekämpfung der Fluchtursachen statt der Flüchtlinge; Stopp von
Aufrüstung und Waffenexporten
Jugend auf der Straße? Jugend auf die Straße!
Eine Bewerbung nach der anderen und keine Ausbildung. Nicht genug Geld
zum Studieren. Das Jugendzentrum im Stadtteil macht dicht. Kaum Kohle
zum Ausgehen. So sieht der Alltag von Millionen Jugendlichen aus.
„Zutritt verweigert!“
Nur noch zwanzig Prozent aller Unternehmen bilden überhaupt aus. Der so
genannte Ausbildungspakt und die öffentlichen Appelle an die Unternehmen
Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen haben, wie abzusehen war,
keine Wirkung gezeigt. Den bundesweit 509.753 BewerberInnen stehen 2007
lediglich 297.265 Plätze zur Verfügung. In den nächsten Jahren wird die
Anzahl der Ausbildungssuchenden ansteigen.
In einem Bundesland nach dem anderen setzen Landesregierungen
Studiengebühren durch. Bereits jetzt haben viele ihr Studium
abgebrochen, die sich nun in die Warteschleifen des Ausbildungs- und
Arbeitsmarktes einreihen können. In Nordrhein Westfalen haben sich zum
Sommersemester 2007 ca. 20.000 Studierende weniger eingeschrieben.
Doch es verschlechtern sich nicht nur die Bildungssituation und die
beruflichen Zukunftssaussichten. Auch das soziale Gefüge von immer mehr
Jugendlichen zerbricht aufgrund von hohen Eintrittspreisen für Kultur
und Sport. Was übrig bleibt ist die Straße und der Frust oder die Flucht
in virtuelle Parallelwelten.
Organisiert sich zur Wehr setzen!
Soziale Brennpunkte werden immer mehr zu Zielscheiben bürgerlicher
Propaganda und Polizeischikane. Auch hier scheint dabei zu gelten,
besser nicht über die Hintergründe zu sprechen und nicht über die
Verantwortlichen. Statt Menschen in solchen Wohngegenden mit dem Aufbau
von sozialer und kultureller Infrastruktur zu unterstützen, werden die
Sportangebote gekürzt und die Jugendzentren unter Druck gesetzt Gewinne
zu machen oder geschlossen. Landen dann Jugendliche ziellos auf der
Straße steht die Polizei an Ort und Stelle, um sie zu kriminalisieren.
Es ist kein Zufall, dass der bürgerliche Staat lieber die Polizei
schickt, statt die Bildungssituation zu verbessern oder mehr
Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Den Herrschenden geht es
nicht darum die Jugendlichen von der Straße zu holen oder zu bilden. Es
geht ausschließlich darum die Profite der Unternehmen zu maximieren.
Gute Bildung ist dabei aus ihrer Sicht genauso ein Kostenfaktor, wie
Jugendzentren und Sporteinrichtungen. Haben sie den Jugendlichen keine
sinnvolle Zukunft zu bieten, werden die Repressionsmaßnahmen
intensiviert.
In den Wohngebieten, in den Schulen und Universitäten müssen sich
Jugendliche selbst organisieren. Bildung für alle und gut bezahlte Jobs
sind von den Herrschenden niemals freiwillig gegeben worden. Die
Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung hat dafür gekämpft. Heute ist es
dringend nötig eine neue sozialistische Jugendbewegung zu schaffen, die
Jugendliche organisiert, vernetzt und ihnen die Möglichkeit gibt, für
ihre eigenen Interessen zu kämpfen.
1. Weg mit allen Formen von Studiengebühren
2. Verkleinerung der Klassen auf maximal 15 SchülerInnen, Neueinstellung
von LehrerInnen
3. Einführung der Gemeinschaftsschule als Regelschule
4. Verwaltung von Schulen und Hochschulen sowie Gestaltung der
Lehrinhalte durch demokratisch gewählte Komitees von Lernenden,
Lehrenden und GewerkschaftsvertreterInnen
5. Statt Schließung von Jugendzentren in den Stadtteilen, mehr Geld für
Neuaufbau und bessere Ausstattung von selbstverwalteten Jugendzentren;
Nein zu Polizeischikanen gegen Jugendliche
6. Einen garantierten, wohnortnahen Ausbildungsplatz für alle
Jugendlichen - Betriebe, die gar nicht oder weniger als zehn Prozent der
Belegschaft ausbilden sollen zahlen; garantierte und unbefristete
Übernahme in den erlernten Beruf
7. Drastische Erhöhung der Auszubildendenvergütungen auf mindestens 750
Euro plus Warmmiete
8.Statt Bafög für wenige: Einführung einer elternunabhängigen
Grundsicherung für SchülerInnen und Studierende ab 16 Jahren von 500
Euro plus Warmmiete
9.Nein zur Privatisierung von Bildungseinrichtungen – Unternehmen raus
aus Schulen und Universitäten
Demokratische Rechte und Diskriminierung
Die Unterstützer des Kapitalismus loben gerne die in diesem System
angeblich bestehende Demokratie. Demokratie heißt übersetzt
Volksherrschaft. Davon kann im Kapitalismus aber nicht die Rede sein.
Erstens regiert Geld die Welt. Die großen Banken und Konzerne haben die
entscheidenden Druckmittel und den entscheidenden Einfluss auf
Regierungen und politische Entscheidungen. Über tausende Fäden sind sie
mit den bürgerlichen Parteien und Institutionen verbunden. Millionen
werden in die Korruption von Politikern und Regierungsbeamten gesteckt.
Ein elitäres Bildungssystem führt dazu, dass die Eliten weitgehend unter
sich bleiben.
Das "Volk" kann alle vier Jahre wählen, wer Politik gegen die Mehrheit
der Bevölkerung macht.
Gleichzeitig rüstet der Staat immer mehr auf. Die Durchleuchtung und
Bespitzelung der Bevölkerung hat neue Ausmaße angenommen, die Polizei
tritt aggressiv gegen globalisierungskritische und antikapitalistische
Demonstrationen auf, Menschen werden in Vorbeugehaft genommen ohne
irgendwelche belastbaren Anschuldigungen, erste Schritte beim Einsatz
der Bundeswehr im Inneren werden durch CDU-Innenminister Schäuble
ergriffen. Der starke Staat schützt nicht die Bevölkerung, sondern die
Eigentums- und Machtverhältnisse für den Fall, dass die Bevölkerung
diese mal in Frage stellt. Polizei, Justiz und Militär sind den
Kapitalisten und deren Interessen zu Diensten.
Die Arbeiterbewegung kann kein Interesse am Ausbau repressiver
Staatsorgane und an der Einschränkung demokratischer Rechte haben. Die
demokratischen Rechte, die es gibt, wurden sich erkämpft - angefangen
beim freien und gleichen Wahlrecht, das ein Produkt der deutschen
Novemberrevolution 1918/19 war. Diese Rechte gilt es zu verteidigen.
Ebenso muss die Diskriminierung von Menschen aufgrund äußerer Merkmale,
Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Nationalität bekämpft
werden. Diese Diskriminierung wird teilweise offiziell betrieben,
teilweise durch bürgerliche Propaganda verbreitet. Sie dient der
Spaltung der Arbeiterklasse, um einheitliche Gegenwehr zu verhindern.
1.Rücknahme der diversen „Anti-Terror“-Gesetze, des großen
Lauschangriffs etc.
2.Nein zu Bundeswehr-Einsätzen im Inneren
3.Gegen jede Form der Diskriminierung aufgrund von Nationalität,
Religion, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung
Schluss mit der Diskriminierung von Frauen
Auch fast 90 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts werden
Frauen in der kapitalistischen Gesellschaft weiterhin systematisch
benachteiligt. Daran hat auch die erste Kanzlerin in der Geschichte der
Bundesrepublik nichts geändert.
Immer noch verdienen Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als
Männer, sind typische „Frauenberufe“ deutlich schlechter bezahlt und
oftmals auch stärker von Flexibilisierung betroffen. Frauen sind
weiterhin einer Doppelbelastung ausgesetzt, weil sie einen deutlich
größeren Anteil der Kindererziehung, der Haushaltsführung und der
Altenpflege tragen, als Männer. Rentnerinnen haben ein deutlich
niedrigeres Einkommen, als Rentner. Oftmals unter dem Existenzminimum.
Wirkliche Selbstbestimmung über den eigenen Körper gibt es auch immer
noch nicht. Abtreibungen sind weiterhin nicht die freie Entscheidung der
betroffenen Frauen. Sexuelle Diskriminierung, Gewalt und
Vergewaltigungen sind für viele Frauen Alltagsbedrohungen. Jede dritte
Frau wird in ihrem Leben mindestens einmal Opfer sexueller Gewalt, jede
vierte erwachsene Frau wird Opfer einer Vergewaltigung, oftmals in Ehe
und Partnerschaft.
Sexismus bekämpfen!
Sexistische Diskriminierung begegnet Frauen an jeder zweiten Straßenecke
auf Werbeplakaten, auf denen halbnackte und superdünne Frauen die
neuesten in der Schönheitsindustrie entschiedenen Schönheitsideale
vorgeben. Der psychische Druck, den das auf viele, vor allem junge,
Frauen ausübt führt zu Essstörungen, psychischen Erkrankungen,
Drogenkonsum.
Der weibliche Körper wird im Kapitalismus zur Ware gemacht. Er wird in
Medien und Werbung – siehe Heidi Klums Top-Model-Show – zur Schau
getragen und bei millionenfacher Prostitution zum sexuellen
Befriedigungs-Objekt degradiert. Es gibt in Deutschland mehr
Prostituierte als LehrerInnen. In der Regel sind es soziale Notlagen,
die Frauen in die Prostitution zwingen, oftmals sind Migrantinnen
betroffen, die keine Aufenthaltserlaubnis haben und ihren Zuhältern
ausgeliefert sind.
Warum ist die Diskriminierung von Frauen auch im 21. Jahrhundert noch
nicht beendet? Weil die Benachteiligung von Frauen der Aufrechterhaltung
des kapitalistischen Systems dient. Erstens weil Frauen den Großteil der
unbezahlten Hausarbeit verrichten, was aus Sicht der Kapitalisten eine
enorme Kostenersparnis ist im Vergleich zu der Möglichkeit, dass diese
gesellschaftlich nötige Arbeit durch ihre Profite bezahlt wird. Dieser
Zustand wird von Männern und Frauen nur akzeptiert, weil in der
Gesellschaft – und damit im Bewusstsein der Mehrheit der Bevölkerung –
weiterhin eine patriarchalische Ideologie dominiert. Zweitens weil die
soziale Spaltung zwischen Männern und Frauen der Spaltung der
Arbeiterklasse dient – ganz nach dem altbekannten Prinzip „teile und
herrsche“. Der Umgang von Medien, Schule und Staat mit den
Geschlechterrollen führt faktisch dazu, dass viele Männer versuchen,
sich auf Kosten von Frauen ein leichteres Leben zu machen, zum Beispiel
indem sie sich in Familien und Partnerschaften als „Herr im Haus“
aufspielen. Mit der Aufrechterhaltung der ungleichen Rechte und
Lebensbedingungen von Männern und Frauen durch die kapitalistische
Gesellschaft wird bezweckt Arbeiter und Arbeiterinnen gegeneinander
auszuspielen und gemeinsamen Widerstand zu verhindern. Deshalb ist die
Diskriminierung von Frauen aber nicht nur gegen die Interessen von
Frauen gerichtet, sondern auch gegen die Interessen der Männer aus der
Arbeiterklasse. Denn sie schwächt die gesamte arbeitende Bevölkerung.
Und wirkliche Freiheit ist auch für Männer nur zu erreichen, wenn auch
sie frei von den gegen Frauen gerichteten Diskriminierungs- und
Unterdrückungsmechanismen sind.
Die SAV tritt für ein Ende von Frauendiskriminierung und für einen
gemeinsamen Kampf von Arbeiterinnen und Arbeitern, männlichen und
weiblichen Erwerbslosen und Jugendlichen für gleiche Rechte und
Lebensbedingungen für alle ein.
Die SAV fordert:
1.Gleicher Lohn für gleiche Arbeit; drastische Lohnerhöhungen in
frauendominierten Berufszweigen
2.Keine Kürzungen und Privatisierungen bei Kindergärten und
Kindertagesstätten; kostenlose ganztägige Kinderbetreuung ab dem ersten
und bis zum 13. Lebensjahr
3.Weg mit den Abtreibungsparagraphen §218 und §219
4.Kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln und kostenlose Abtreibungen
5.Kampf gegen Sexismus; Einrichtung einer demokratisch gewählten
Kommission von VertreterInnen der Gewerkschaften und von Frauenverbänden
zur Unterbindung von Sexismus in Medien und Werbung
6.Flächendeckendes Angebot von gut ausgebauten, selbstverwalteten
Frauenhäusern und von Frauenberatungsstellen und -notrufen
7.Keine Diskriminierung von Prostituierten; für eine gewerkschaftliche
Kampagne gegen Zwangsprostitution und Zuhälter; staatlich finanzierte
Ausstiegsprogramme für alle Prostituierten mit Aus- und
Weiterbildungsprogrammen; Bleiberecht für alle betroffenen Frauen
8.Nein zum Kopftuchverbot
9.Nein zu Zwangsehen und Kopftuchzwang
10.Für eine gewerkschaftliche Kampagne gegen häusliche Gewalt,
Vergewaltigung in Ehe und Partnerschaften und gegen
Frauendiskriminierung am Arbeitsplatz
11. Gegen Haushaltsroutine und -schufterei: Gute und billige
Stadtteilrestaurants und -wäschereien
Keinen Fußbreit den Faschisten.
Allein im Jahr 2005 gab es im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von
rechter Gewalt um 23 Prozent. Im Jahr 2006 ist sie weiter angestiegen.
Faschisten wollen MigrantInnen, Juden, Andersdenkende, Homosexuelle aus
Deutschland vertreiben.
Mit ihrer Hetze und ihrer Gewalt leisten sie einen Beitrag dazu die
arbeitende Bevölkerung zu spalten und so gemeinsamen Widerstand von
allen von Sozialabbau und Arbeitsplatzvernichtung Betroffenen zu
verhindern. Denn nur, wenn ein solcher Widerstand verhindert wird,
können sie ihr eigentliches Ziel durchsetzen: eine brutale Diktatur für
das deutsche Kapital und die Abschaffung aller elementaren
demokratischen Rechte für die Arbeiterbewegung.
Widerstand ist nötig, wenn Nazibanden an Schulen ihre Hass-Ideologie
propagieren und in Stadtteilen aufmarschieren und ihre Hetze verbreiten.
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Ihnen
demokratische Rechte zu gewähren, damit sie diese für alle abschaffen
können, ist absurd. Deshalb tritt die SAV für die Verhinderung von
faschistischen Aufmärschen und Veranstaltungen ein. Dabei kann man sich
nicht auf Polizei und Regierungen verlassen. Mobilisierungen durch
Gewerkschaften, linke und antifaschistische Organisationen in den
Stadtteilen, an Schulen und in Betrieben sind nötig, um sich den Nazis
in den Weg zu stellen und sie zu stoppen.
Nazis profitieren von Sozialabbau
Die Nazis versuchen die wachsende Unzufriedenheit mit Sozialabbau
auszunutzen, um neue Anhänger zu ködern. In den letzten Jahren haben
faschistische Parteien wie die NPD sich das Image einer „Opposition
gegen die da oben“ gegeben. Doch ihnen geht es nicht um einen Kampf für
die „kleinen Leute“. Sie nutzen ihre Positionen in Parlamenten und in
der Öffentlichkeit, um gegen AusländerInnen zu hetzen. Doch es sind
nicht die MigrantInnen, die ArbeiterInnen entlassen oder Mieten erhöhen.
Es sind die Wirtschaftsbosse, die für ihre Profitinteressen Löhne
senken, Arbeitnehmer entlassen, keine Ausbildungsplätze zur Verfügung
stellen. Es sind die Politiker der etablierten Parteien, die soziale und
demokratische Rechte einschränken. Und wo die NPD die Gelegenheit dazu
hat, wie in einigen Kommunalparlamenten, beteiligt sie sich an der
Umsetzung von Hartz IV und zeigt ihr wahres unsoziales Gesicht.
Wer „A“ sagt, muss auch „B“ sagen.
Es reicht nicht nur gegen Nazis zu sein. Das ist schon mal gut. Aber die
sozialen Verhältnisse, die immer mehr Menschen in die Verzweiflung
treiben, machen es überhaupt erst möglich, dass Nazi-Parteien davon
profitieren können. Der Widerstand gegen die Nazis muss verbunden werden
mit dem Kampf gegen Sozialabbau, Arbeitsplatzvernichtung,
Privatisierungen.
Um Nazis zu bekämpfen, müssen ArbeiterInnen, Erwerbslose, Jugendliche
gemeinsam kämpfen. Egal ob deutsch oder nicht-deutsch, schwarz oder
weiß, Moslem, Christ oder gar nicht gläubig. Um die Nazis endgültig
loszuwerden, müssen die Ursachen von Sozialabbau und Erwerbslosigkeit
und von rassistischer Spaltung beseitigt werden. Deshalb ist ein
konsequenter antifaschistischer Kampf auch ein Kampf gegen den
Kapitalismus, der Rassismus und Faschismus hervorbringt.
1.Keine Vermietung und Bereitstellung öffentlicher Plätze und Räume an
faschistische Organisationen
3.Verhinderung aller Nazi-Aktivitäten durch Massenmobilisierungen von
Gewerkschaften, linken Organisationen und der antifaschistischen Bewegung
4.Gemeinsamer Kampf von ArbeiterInnen, Erwerbslosen und Jugendlichen mit
und ohne deutschen Pass gegen den sozialen Nährboden von Rassismus,
Antisemitismus und Faschismus – gegen Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und
Lohnkürzungen
Dem Absturz Ost ein Ende machen
Was haben Kohl und Co. den Menschen in der damaligen DDR nicht alles
versprochen, um sie von Wiedervereinigung und Marktwirtschaft zu
überzeugen! Blühende Landschaften, Wohlstand, Freiheit, Demokratie.
Blühende Landschaften gibt es heute höchstens auf den brachliegenden
ehemaligen Industrienanlagen, wo sich die Natur wieder frei um
Industrieruinen herum ausbreiten kann. Wohlstand gibt es für eine kleine
Minderheit von Wendehälsen, die vom DDR-Staatsapparat schnell genug den
Wechsel zum Kapitalismus geschafft haben. Für die große Mehrheit gibt es
niedrige Löhne oder Arbeitslosengeld – bei Westpreisen und -mieten.
Zum Nutzen der Reisefreiheit fehlt vielen das nötige Kleingeld und die
Demokratie erschöpft sich darin, alle vier Jahre wählen zu dürfen, wer
die Ostdeutschen weiter verrät und verkauft. Die kapitalistische
Demokratie kommt hier so gut an, dass die Wahlbeteiligung geringer ist
als im Westen und bei Kommunalwahlen mittlerweile nur noch ein Drittel
der Bevölkerung sich überhaupt noch beteiligen.
Auch nach 17 Jahren konnte der Kapitalismus die soziale Spaltung in Ost
und West nicht überwinden. Trotz milliardenschwerer so genannter
Aufbauprogramme war das kapitalistische System nicht in der Lage sein
Versprechungen auch nur annähernd zu erfüllen. Die Subventionen und
Steuergelder sind oftmals in den Taschen korrupter Politiker und
privater Firmenchefs gelandet, statt in den Aufbau von Infrastruktur
oder Industrie. Dass was die privaten Konzerne zerstörten, konnte selbst
durch Milliarden staatlicher Gelder nicht wett gemacht werden.
Das ist auch logisch, denn für die westdeutschen Konzerne war die
ostdeutsche Industrie ja nur ein lästiger potenzieller Konkurrent, der
schnell platt gemacht wurde. Den ostdeutschen Markt konnte man auch mit
anderswo produzierten Waren bedienen. In wenigen Ausnahmefällen wurde
der Osten von den Kapitalisten als verlängerte Werkbank genutzt und der
eine oder andere Betrieb fortgeführt oder neu aufgemacht, um die
niedrigeren Löhne zum Lohndumping zu nutzen. Tarifverträge sind in dem
meisten ostdeutschen Betrieben ein Fremdwort und da, wo es sie gibt,
liegen die Tariflöhne deutlich unter den Löhnen im Westen und die
Arbeitszeit ist länger – als ob ostdeutsche ArbeiterInnen einen
schlechteren Job machen würden!
Die Folge dieses wirtschaftlichen und sozialen Niedergangs ist, dass
einerseits immer mehr Menschen die Region verlassen und andererseits
sich Verzweiflung breit macht, die in manchen Orten von den Faschisten
ausgenutzt werden kann. Dass diese Wahlerfolge verbuchen können und in
einigen Regionen ihre Organisationen aufbauen konnten, hängt nicht
zuletzt mit der Politik der Linkspartei.PDS zusammen, die in Ländern und
Kommunen keine konsequente Opposition im Interesse der
Bevölkerungsmehrheit betreibt, sondern sich an Privatisierungen,
Sozialabbau und Arbeitsplatzvernichtung im öffentlichen Dienst
beteiligt. Die Nazis der NPD erscheinen oft als die einzige Opposition,
die sich sozial und sozialistisch präsentiert, obwohl sie das Gegenteil
sind.
Unter der Führung der etablierten Parteien und der Banken und Konzerne
wird der Absturz Ost weiter gehen und Ostdeutschland dauerhaft sozial
abgehängt. Nur eine grundlegende Veränderung in Politik und Wirtschaft
kann der Region und ihren Menschen eine Zukunftsperspektive geben.
Die SAV fordert:
1.Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in Ost und West
2.Einen garantierten wohnortnahen Ausbildungs- und Arbeitsplatz für
jede/n
3.Für ein massives öffentliches Wirtschaftsprogramm unter demokratischer
Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung zur wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung Ostdeutschlands; Schluss mit den Subventionen in die Taschen
der privaten Konzerne
Rettet die Umwelt vor dem Kapitalismus
Als im April 2007 Wissenschaftler die Entdeckung eines Planeten
verkündeten, der möglicherweise ähnliche Lebensbedingungen wie die Erde
aufweist, mag der eine oder andere gedacht haben, dass man ja dorthin
übersiedeln kann, wenn unser Planet zugrunde gerichtet worden ist.
Leider ist der neu entdeckte Planet aber 20 Lichtjahre entfernt und an
der Verbesserung der Transportmöglichkeiten durchs Universum muss wohl
noch ein paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte gearbeitet werden, um ihn
erreichen zu können – und dann könnte es zu spät sein!
Denn die Umweltzerstörung hat Ausmaße angenommen, die den Fortbestand
der Zivilisation in Frage stellen, und das schneller als erwartet.
Mittlerweile ist es UNO-offiziell, dass die CO2-Emmissionen
verantwortlich für die Erderwärmung und damit für tief greifende
Veränderungen des Klimas sind. Wenn das Polareis schmilzt und die
Meeresspiegel ansteigen sind die Konsequenzen katastrophal.
Küstenüberschwemmungen werden zu millionenfachen Flüchtlingsströmen
führen, immer mehr Wirbelstürme werden zu immer mehr Verwüstung führen
und nach der Hitzewelle kann es aufgrund des Versiegens des Golfstroms
zu einer neuen Eiszeit in Europa kommen. Höchste Zeit, dass radikale
Schritte zum Klimaschutz ergriffen werden. Doch die Politiker reden viel
und handeln gar nicht. Im Gegenteil: die Umweltbelastung durch Flug- und
LKW-Verkehr, durch Kohlekraftwerke und Industrieanlagen nimmt weiter zu.
Schließlich ist die Öl-, Auto- und Rüstungslobby die mächtigste
Kapitalfraktion und will auf ihre Profite nicht verzichten. Und unter
dem ungeplanten Chaos des kapitalistischen Marktes verkehren sich sogar
als Umweltschutzmaßnahmen deklarierte Handlungen in ihr Gegenteil. Wenn
zum Beispiel zur Steigerung der Produktion von Biotreibstoffen ganze
Regenwälder in Lateinamerika und Südasien abgeholzt werden und dadurch
wiederum der Klimawandel verstärkt wird bzw. Lebensmittel nicht zur
Bekämpfung des Hungers, sondern zur Treibstoffproduktion verwendet
werden.
AKW’s abschalten!
Bürgerliche Politiker und Stromkonzerne nutzen die Debatte um den
Klimawandel auch, um eine Renaissance des Atomstroms einzuleiten.
Weltweit werden im Jahr 2007 24 Atomkraftwerke neu gebaut. Auch die CDU
möchte den so genannten Atomausstieg, der in Wirklichkeit lange
Laufzeiten für die AKW"s garantiert, gerne rückgängig machen, um neue
AKW’s zu bauen. Doch Atomstrom ist nicht sauber, sondern
lebensgefährlich. Eine Sicherheitsgarantie für Atomanlagen kann es unter
kapitalistischen Verhältnissen nicht geben. Die Störfälle bei
schwedischen Atomanlagen im Jahr 2006 sind dafür nur ein Beleg.
Nötig ist eine radikale Wende in der Energiepolitik. Die natürlichen
Ressourcen und technologischen Mittel sind vorhanden, um den gesamten
Energiebedarf durch regenerative Energie zu erfüllen. Doch dafür müsste
die Energieindustrie von der Profitlogik befreit werden und massive
Investitionen getätigt werden, damit die CO2-Emmissionen schnell und
drastisch reduziert werden können.
Für eine Wende in der Verkehrspolitik
Ebenso gilt in der Verkehrspolitik, dass die Umweltbelastung durch den
Flug-, LKW- und Autoverkehr nur drastisch reduziert werden kann, wenn es
eine gesellschaftlich sinnvolle Verkehrsplanung gibt, die auf den Ausbau
des Schienenverkehrs setzt. Doch stattdessen soll die Bahn privatisiert
und den Profithaien zum Fraß vorgeworfen werden. Nach einer aktuellen
Studie des Schweizer Forschungsinstituts INFRAS führt der Auto- und
LKW-Verkehr zu gesellschaftlichen Folgekosten von 77 Milliarden Euro im
Jahr. Diese werden durch die Allgemeinheit beglichen. Das kommt einer
Subvention an die Auto- und Ölkonzerne gleich. Gesellschaftlich ist der
automobile Individualverkehr Wahnsinn, betriebswirtschaftlich macht er
großen Sinn – aus Sicht der Daimler- und BMW-Bosse.
Umweltschutz kostet Geld. Deshalb ist Umweltschutz aus Sicht des
Kapitals nur ein Kostenfaktor, der möglichst gering gehalten werden
muss. Aus Sicht der Menschen und der Gesellschaft lohnt sich aber jede
Investition in den Umweltschutz, weil sie das Leben lebenswerter macht
und verlängert und weil sie gesellschaftliche Folgekosten, die ungleich
höher sind, vermeidet. Umweltschutz und Kapitalismus sind also ein
unüberbrückbarer Widerspruch. Lösen wir ihn auf.
Die SAV fordert:
1.Drastische sofortige Reduzierung der CO2-Emmissionen; drastischer
Ausbau regenerativer Energien
2.Sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke und Stopp aller
Atomtransporte; Schaffung von sinnvollen Arbeitsplätzen für die
Beschäftigten in der Atomindustrie
3.Das Problem an der Wurzel packen: Bei der Produktion Energie sparen
und Müll vermeiden statt industrieller Energieverschwendung und
Verpackungs-Wahnsinn
4.Rücknahme aller Privatisierungen bei Bus und Bahn und Ausbau des
öffentlichen Nah- und Fernverkehrs; Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr
5.Überführung der Auto-, Energie-, Verkehrs- und Lebensmittelindustrie
in öffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung
durch Belegschaftskomitees und VertreterInnen der arbeitenden
Bevölkerung und von Umweltschutz- und Verbraucherverbänden; schrittweise
Umstellung der Autoproduktion auf gesellschaftlich sinnvolle Produkte
Kriege stoppen, Rüstungsspirale aufhalten.
Deutsche Soldaten schießen in Afghanistan mit. Deutsche Tornados fliegen
über Kandahar, um Ziele auszuspähen, die dann nieder gebombt werden.
Deutsche Kriegsschiffe stehen vor der libanesischen Küste und am Horn
von Afrika. Seit einigen Jahren macht die Bundeswehr einen Schritt nach
dem anderen in Richtung weltweiter Kriegseinsätze.
Das aktuelle Weißbuch der Bundeswehr bringt es auf den Punkt, wenn es
vom „Wandel zu einer Armee im Einsatz“ spricht. Die Rüstungsausgaben
steigen und steigen - auch nach dem Ende der Systemkonkurrenz 89/90, die
jahrzehntelang als Argument für Aufrüstung herhalten musste.
Deutsche Soldaten schießen für die Konzerne
Hinter aller offizieller Rhetorik und Propaganda über „neue Bedrohungen
der freien Welt“ und über angebliche Friedenssicherung, steht
machtpolitisches, ökonomisches und geostrategisches Kalkül. Hinter dem
„Krieg gegen den Terror“ stehen Interessen einer imperialen Großmacht.
Das Weißbuch macht daraus kein Geheimnis. Das Ziel der
Sicherheitspolitik sei die„sichere nachhaltige wettbewerbsfähige
Energieversorgung“. Das bedeutet: Zugang zu Öl und Gas. Die Herrschenden
in Deutschland wollen zunehmend im internationalen Kampf um Rohstoffe
und Absatzmärkte mitmischen. Unter Rot-Grün wurde der erste Krieg vom
deutschen Boden seit dem Ende der Nazi-Diktatur durchgesetzt.
Hintergrund ist der weltweite Kampf der imperialistischen Mächte um die
Neuaufteilung der rohstoffreichen Gebiete. Das gilt vor allem für den
arabischen Raum und Zentralasien, wo es um die Kontrolle über die
Ölquellen und Gasressourcen geht. Aber auch der afrikanische Kontinent
interessiert die Großmächte wieder zunehmend. Hier geht es teilweise
auch um Öl, aber auch um Diamanten und Koltan.
Um die Kontrolle der Rohstoffe ist ein weltweites Wettrüsten
ausgebrochen. Im letzten Jahr haben alle Staaten der Welt zusammen über
1.000 Milliarden Dollar für Rüstung und Krieg ausgegeben. Davon knapp
die Hälfte alleine durch die USA. Auch die Bundesrepublik erhöht ihre
Militärausgaben. Allein im Zeitraum von 2005 bis jetzt sind diese von
offiziell 23,9 Milliarden Euro auf offiziell 28,39 Milliarden Euro
erhöht worden. Der Rüstungsetat soll in den nächsten Jahren weiter
ansteigen.
Kapitalistische Konkurrenzlogik bedeutet Rüstung und Zerstörung
Die steigenden Rüstungsausgaben in Deutschland und weltweit sind der
beste Beweis, dass es den Herrschenden und ihren Strategen nicht um
Frieden und Sicherheit geht. Das Geld, das in Krieg und Rüstung gesteckt
wird, könnte einen tatsächlich sinnvollen Beitrag zu mehr Frieden und
Stabilität leisten. Es könnten gut ausgestattete Schulen und
Krankenhäuser gebaut werden. In den so genannten Dritte-Welt-Ländern
könnten umfassende Alphabetisierungsprogramme gestartet werden und
sanitäre Einrichtungen aufgebaut werden. Mit moderner Technologie könnte
weltweit die Landwirtschaft auf den höchsten Stand entwickelt werden.
Welcher afghanische Bauer würde noch die Taliban unterstützen, wenn sich
in Afghanistan die Lebensrealität der Massen auf diese Weise grundlegend
verbessert? Das alles wäre möglich unter den Bedingungen einer
demokratisch geplanten Wirtschaft. Unter den Bedingungen der
kapitalistischen Konkurrenz und des Imperialismus jedoch ist es
ausgeschlossen! Im erbitterten Konkurrenzkampf ist eine sinnvolle
Zusammenarbeit nicht möglich. Vor allem bei schrumpfenden Märkten wird
der Kampf um die billigsten Ressourcen und bestmöglichen Absatzmärkte
noch schärfer. Militärische Aktivitäten und neue Kriege mit all ihren
Schrecken für die Masse der Bevölkerung werden die Folgen davon sein.
Kriege stoppen
Am 15. Februar 2003 demonstrierten weltweit 15 Millionen Menschen gegen
den Krieg. Die SAV war und ist aktiver Bestandteil der
Antikriegsbewegung. Doch Demonstrationen alleine reichen nicht aus.
Kriege dienen dazu, Profite zu steigern und die Herrschaft der
Kapitalbesitzer zu sichern. Um Kriege zu stoppen, muss der Protest
dorthin getragen werden, wo die wirtschaftliche und politische Macht der
Konzernherren her kommt: in die Betriebe und Büros. Mit Streiks gegen
Kriege werden die Unternehmer bei ihrem Profiten getroffen, die
Zusammenhänge zwischen Konzernen und Politik offen gelegt und ihr Regime
in Frage gestellt. Deshalb tritt die SAV für solche Maßnahmen auch in
den Betrieben ein und argumentiert dafür den Kampf gegen Sozialabbau und
Entlassungen mit dem Kampf gegen den Krieg zu verbinden. Denn dem Krieg
nach Außen entspricht im Kapitalismus auch der soziale Krieg gegen die
eigene Bevölkerung.
1.Alle Besatzungstruppen raus aus Irak und Afghanistan
2.Nein zu allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr, auch unter UNO-Mandat!
Auflösung von Kommando Spezialkräfte (KSK) und anderen Sondereinheiten
3.Nein zu Bushs Raketenabwehr; Vernichtung aller Atomwaffen und aller
biologischen und chemischen Waffen
4.Nein zur EU-Armee
5.Schluss mit Aufrüstung und Waffenexporten
6.Enteignung der Rüstungsindustrie und Überführung in öffentliches
Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die
Belegschaften und VertreterInnen der arbeitenden Bevölkerung; Umstellung
der Produktion auf gesellschaftlich sinnvolle Produkte
Geld ist genug da, nur in den falschen Händen
Wem eine Regierung dient, kann man am besten an ihrer Steuerpolitik
erkennen. Während die Große Koalition die Mehrwertsteuer erhöhte – und
damit für die Masse der Bevölkerung eine massive Preissteigerung
einleitete – senkt sie die Unternehmenssteuern weiter ab. Sie steht
damit ganz in der Tradition ihrer Vorgängerregierungen, egal ob CDU-
oder SPD-geführt. Das sollte auch nicht verwundern, denn
pro-kapitalistische Regierungen machen Politik für die Kapitalisten.
So wurde der Spitzensteuersatz von 53 Prozent im Jahr 1998 auf 45
Prozent heute gesenkt. Die reale Steuerbelastung für Unternehmen und
Kapitalbesitzer (die diversen Abschreibungsmöglichkeiten einberechnet)
ist in Deutschland auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die
Folge: die Reichen werden reicher, während die Reallöhne stagnieren und
Armut wächst. Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen ist sogar auf ein
Rekordtief von 67 Prozent gefallen, der tiefste Stand seit den 60er
Jahren
Der konzentrierte Reichtum in den Händen einiger weniger ist geradezu
obszön. Die Albrecht-Brüder, Eigentümer von ALDI, haben ein
Gesamtvermögen von über 30 Milliarden Euro. Dafür müsste ein Arbeiter
mit 2.000 Euro netto 1,25 Millionen Jahre schuften.
Während ArbeiterInnen und Erwerbslose bei ALDI einkaufen gehen, um den
Liter Milch zehn Cent billiger als woanders zu kaufen, wissen die
Reichen und Superreichen nicht wohin mit ihrem Geld. Einmal im Monat
erscheint in der Financial Times Deutschland eine Beilage mit dem
programmatischen Titel „how to spend it“ - wie man"s ausgeben kann. Hier
werden den Reichen Vorschläge zum Geld ausgeben unterbreitet, wie zum
Beispiel der Füllfederhalter „Terre“ aus Silber und Krokodilleder für
40.000 Euro. Oder es wird ein attraktiver Urlaubsvorschlag gemacht:
warum nicht die Insel Reehti Rah für drei Übernachtungen inklusive
Frühstück und 600 Angestellter für eine Million Dollar mieten – den
Mindestverzehr von 500.000 Dollar aber bitte nicht vergessen!
International sieht die Konzentration von Reichtum in den Händen einiger
weniger nicht anders aus. Die reichsten drei Milliardäre haben ein
Vermögen, das dem Bruttoinlandsprodukt der ärmsten 48 Staaten gleich
kommt. Der Umsatz der 500 größten Banken und Konzerne entspricht dreißig
Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts.
Umverteilung umkehren
Die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte hat die Umverteilung von
unten nach oben beschleunigt und intensiviert. Damit muss Schluss sein!
Deshalb tritt die SAV dafür ein, dass die Umverteilung umgekehrt wird.
Die, die viel haben, sollen auch viel Steuern zahlen – absolut und
prozentual! Schließlich wurde ihr Reichtum von der Masse der abhängig
Beschäftigten erarbeitet.
Eine Steuerpolitik, die die Kapitalbesitzer zur Kasse bittet, würde von
diesen aber nicht einfach so hingenommen werden. Sie würden ihre
wirtschaftliche und politische Macht dagegen einsetzen.
Investitionsboykott, Verlagerungen, Kapitalflucht wären Maßnahmen, die
sie dann ergreifen könnten. Deshalb ist eine gerechte Steuerpolitik im
Rahmen des Kapitalismus nicht dauerhaft durchsetzbar. Letztlich ist es
entscheidend, wem die Banken und Konzerne gehören. Denn nur, was der
ganzen Gesellschaft gehört, kann auch im Interesse der Gesellschaft
eingesetzt werden.
Die SAV fordert:
1. Abschaffung der Mehrwertsteuer
2. Einführung eines einfachen Steuersystems von direkten Steuern auf
Einkommen, Gewinne, Erbschaften und Vermögen bei starker Progression
(steigendem Prozentsatz) – Wer viel verdient und besitzt, soll viel
bezahlen!
3.Bei Steuer- und Kapitalflucht: Konfiszierung des Vermögens bzw.
Enteignung des Betriebs und Überführung in öffentliches Eigentum bei
demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch Belegschaftskomitees und
gewählte VertreterInnen der arbeitenden Bevölkerung.
4. Vollständige Offenlegung aller Finanztransaktionen und
Betriebsinterna gegenüber der Belegschaft
Gegen kapitalistische Globalisierung und eine EU der Banken und Konzerne
Von der kapitalistischen Globalisierung profitieren vor allem die großen
Banken und Konzerne, die Zugang zu neuen, billigen Arbeitskräften und
Absatzmärkten erhalten. Die internationalen Institutionen, wie der
Internationale Währungsfonds und die Welthandelsorganisation, dienen
dabei zur Durchsetzung der Interessen der großen Banken und Konzerne und
der großen Wirtschaftsmächte gegen die schwächeren Staaten. Deshalb ist
es zu begrüßen, dass Venezuela aus dem IWF ausgetreten ist und erklärt
hat, dass diese Institution die armen Nationen beraubt.
Europäische Union
Viele Menschen sehen in der EU eine Möglichkeit eine friedliche
Entwicklung in Europa zu garantieren und begrüßen die Öffnung der
Grenzen. Doch während die Grenzen innerhalb der EU geöffnet wurden (und
wenn es darum geht globalisierungskritische DemonstrantInnen abzuhalten
auch wieder geschlossen werden), wurde die EU zu einer Festung gegen
Flüchtlinge aus den armen Ländern gemacht. Gleichzeitig ist die EU ein
Projekt, das nur den europäischen Kapitalistenklassen dient. Es ist
undemokratisch und abgehoben. Dieser undemokratische und
pro-kapitalistische Charakter der EU wurde nicht zuletzt in den
Auseinandersetzungen um die Europäische Verfassung und die
Dienstleistungsrichtlinie deutlich. Die Verfassung schreibt
Neoliberalismus und Militarisierung der EU vor, die
Dienstleistungsrichtlinie soll den Dienstleistungsmarkt im Interesse der
Unternehmen komplett öffnen und liberalisieren. Doch diese beiden
Projekte sind auch Beispiel für erfolgreichen Widerstand. In Frankreich
und den Niederlanden wurde die EU-Verfassung in Volksabstimmungen
abgelehnt und die EU in eine tiefe Legitimitätskrise gestoßen. Es wurde
deutlich: eine Mehrheit der europäischen ArbeiterInnen und Erwerbslosen
hat die EU als Club der Reichen und Mächtigen durchschaut und vertraut
ihr nicht. Der gewerkschaftliche Widerstand gegen die
Dienstleistungsrichtlinie hat zumindest dazu geführt, dass einige
Veränderungen vorgenommen wurden. Mehr wäre drin gewesen, wenn die
Gewerkschaftsspitzen im Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) eine
wirkliche internationale Kampagne betrieben hätten, die auch vor Streiks
als politischem Druckmittel nicht halt gemacht hätte.
Für ein Europa der Arbeiterinnen und Arbeiter
Die SAV lehnt die EU nicht aus nationalistischen Gründen ab, sondern
weil sie von den Herrschenden als Mittel zur Verschlechterung des
Lebensstandards eingesetzt wird. Wie oft bekommt man zu hören, dass es
zu bestimmten Maßnahmen keine Alternative gebe, weil sie aus Brüssel
oder Strasburg kommen. Das ist Unsinn, denn natürlich kann sich eine
nationale Regierung gegen EU-Vorgaben zur Wehr setzen. Sie tun es auch
regelmäßig, wenn es um nationale kapitalistische Interessen geht. Diese
unterschiedlichen Interessen der verschiedenen nationalen
Kapitalistenklassen sind nicht zu überwinden, deshalb ist eine
tatsächliche Vereinigung der EU zu einem europäischen Staat auch
unmöglich. Und wenn sie möglich wäre, wäre es ein autoritärer,
kapitalistischer und unsozialer Staat. Eine wirkliche Vereinigung der
europäischen Völker kann nur durch die Arbeiterklassen der verschiedenen
Länder erreicht werden. Deshalb tritt die SAV für eine stärkere
internationale Vernetzung und Organisierung von Gewerkschaften und der
Linken und für die Organisierung tatsächlicher internationaler Kampagnen
und Kämpfe ein.
1. Nein zu EU-Verfassung und zu Liberalisierung und Deregulierung durch
die EU; Nein zur EU-Armee
2. Für die Auflösung von IWF, Weltbank, WTO
3. Nein zur EU der Banken und Konzerne - für vereinigte sozialistischen
Staaten von Europa
4. Für die Überführung der 500 größten Banken und Konzerne, die die
Weltwirtschaft beherrschen, in öffentliches Eigentum unter
demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bevölkerung -
für eine sozialistische Welt!
Den Dingen auf den Grund gehen …
Warum? Ohne die Beantwortung dieser Frage wird es keine Lösung der
Probleme der Menschheit geben. Warum gibt es Massenarbeitslosigkeit,
sinkende Löhne und Armut? Warum werden in Afghanistan und im Irak Kriege
geführt? Warum gibt es die Erderwärmung? Warum werden Frauen
benachteiligt?
Der Widerspruch zwischen den technologischen und ökonomischen
Möglichkeiten und der Lebensrealität der Menschheit schreit zum Himmel.
Das Wissen und das Technologie- und Produktionsniveau der Menschheit
reichen aus, um die in dieser Broschüre formulierten Forderungen
umzusetzen. Dazu bedürfte es keiner neuen wissenschaftlichen oder
technologischen Revolution. Und doch scheint die Menschheit Tag für Tag
einen Schritt weiter entfernt von der Überwindung ihrer grundlegenden
Probleme.
Mit einem Bruchteil des Geldes, das in Aufrüstung und Kriege gesteckt
wird, könnte man Krankheiten wie Malaria wirkungsvoll bekämpfen. Die
Voraussetzungen ausreichend Lebensmittel für alle Menschen auf der Welt
zu produzieren sind da, und doch sterben täglich 100.000 Menschen an
Unterernährung. Das Bruttoinlandsprodukt ist in Deutschland seit 1950
versiebenfacht worden, und doch wächst auch die Arbeitslosigkeit und die
Reallöhne stagnieren.
Warum? Die Antwort ist gar nicht so schwer: weil in dem auf der Erde
herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystem die Erzielung von
größtmöglichem Profit für eine kleine Minderheit der Bevölkerung alles
und die Bedürfnisse der übergroßen Mehrheit der Menschen und der Umwelt
nichts bedeuten. Weil wir im Kapitalismus leben.
Widersprüchliche Interessen
Hinter jeder Entlassung, jedem Gesetz zur Kürzung von Sozialleistungen,
jeder Bombe auf den Irak und jedem Liter in einen Fluss abgeleitetem
toxischem Abwasser stecken Entscheidungen von bestimmten Menschen oder
Gruppen von Menschen. Ihre Entscheidungen basieren auf Interessen. Würde
man die ArbeiterInnen fragen, würden sie sich gegen Entlassungen
entscheiden. Sie haben daran kein Interesse. Würde man die Erwerbslosen
und Kranken fragen, würden sie sich gegen Hartz IV und
Medikamentenzuzahlungen entscheiden. Sie haben daran kein Interesse.
Würde man die Menschen im Irak und die einfachen Soldaten der Krieg
führenden Länder fragen, würden sie sich gegen Krieg entscheiden. Sie
haben daran kein Interesse.
Interesse an Entlassungen, Sozialkürzungen und Krieg haben nur wenige -
die Reichen und Mächtigen. Um reich und mächtig zu sein, braucht man
Geld, viel Geld - Kapital. Reich und mächtig sind also die
Kapitalbesitzer, die Eigentümer von Fabriken, Banken und Konzernen - und
ihre Helfershelfer in den etablierten Parteien und Regierungen.
Entlassungen dienen dazu aus weniger Beschäftigten mehr herauszupressen,
mehr Profit zu machen. Sozialkürzungen dienen dazu die Abgaben der
Unternehmer für die Sozialversicherungen zu senken und können
gleichzeitig zur Lohndrückerei eingesetzt werden, um mehr Profit zu
machen. Kriege werden geführt, um den Zugang der mächtigen Konzerne zu
Rohstoffen, Absatzmärkten und Handelswegen zu sichern, um mehr Profit zu
machen.
Die Kapitalisten und Anhänger des kapitalistischen Systems behaupten,
von der Produktion für den Profit hätten alle etwas. „Die Gewinne von
heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von
übermorgen.“ Das Problem ist nur: diese These ist nicht nur von
vorvorgestern, sie ist Jahrzehnte alt. Und die Gewinne flossen in die
Taschen der Unternehmer, investiert wurde immer weniger in den Aufbau
neuer Produktionsanlagen und statt neuer Arbeitsplätze gibt es eine
strukturelle Massenarbeitslosigkeit von vielen Millionen.
Der Grund ist: der Kapitalismus ist nicht nur ungerecht und unsozial. Er
funktioniert auch nicht.
Kapitalismus führt zu Krisen
Der Kapitalismus ist ein krisenhaftes und chaotisches System. Aufgrund
des Widerspruchs zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der
Produktion und der privaten Aneignung der Arbeitsprodukte durch die
Kapitalisten basierend auf dem Privateigentum an Banken und Konzernen,
aufgrund des Konkurrenzkampfes zwischen Konzernen und Nationalstaaten im
Rahmen eines Weltmarkts, aufgrund der Profitlogik ist der Kapitalismus
nicht zu einer harmonischen Entwicklung fähig. Es entstehen
Ungleichgewichte, Überproduktion und Überkapazitäten, Verschuldung und
Spekulationsblasen. Regelmäßig entladen sich diese Ungleichgewichte und
Widersprüche in Wirtschaftskrisen. Diese sind so alt, wie der
Kapitalismus selbst.
In der ersten Phase seiner Entwicklung waren diese Krisen nur kurze
Unterbrechungen einer allgemeinen Aufwärtsbewegung der Wirtschaft und
Weiterentwicklung der gesamten Gesellschaft. Das ist spätestens seit dem
Beginn des 20. Jahrhunderts vorbei. Krisenhaftigkeit und Konkurrenzkampf
des Kapitalismus führten zu zwei Weltkriegen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es bis zum Beginn der siebziger Jahre
eine Ausnahmesituation, einen langen Aufschwung mit hohen
Wachstumsraten, der in Westeuropa und Nordamerika ein Ansteigen des
Lebensstandards auch von großen Teilen der Arbeiterklasse ermöglichte
(wobei auch dies nur aufgrund des organisierten Drucks der
Arbeiterbewegung und der – aus Sicht des Kapitals – Bedrohung durch die
nicht-kapitalistischen Staaten des Ostblocks erreicht wurde).
Doch seit über dreißig Jahren befindet sich der Kapitalismus im
Niedergang – und damit wieder in seinem „normalen“ Zustand. Die
Wirtschaftskrisen führen regelmäßig zu wirtschaftlichem Rückgang und die
Aufschwungphasen werden tendenziell schwächer. Die in Krisen
entstandenen Probleme werden im Aufschwung nicht mehr abgebaut. Es geht
bergab mit der Marktwirtschaft – und damit auch mit dem Leben und den
Zukunftsperspektiven für die Masse der Bevölkerung.
Das Absurde ist, dass es zu Krisen nicht aus Mangel kommt, sondern im
Gegenteil: aus Überfluss. Die Gesetze des Kapitalismus verlangen, dass
aus Kapital mehr Kapital gemacht wird. Es müssen nicht nur Gewinne
erzielt werden, diese müssen maximiert werden, um im Konkurrenzkampf
mitzuhalten. Aber es gibt für die angehäuften Kapitalmassen nicht
ausreichend profitable Anlagemöglichkeiten.
Kapitalistische Krisen können unterschiedliche Auslöser haben. Die
entscheidende tieferliegende Ursache ist aber die Entwicklung der
Profite und vor allem der Profitrate, also des Gewinns im Verhältnis zum
vorgeschossenen Kapital. Marx hat nachgewiesen, dass es einen
tendenziellen Fall der Profitrate gibt. Dieser ergibt sich aus der
Tatsache, dass nur menschliche Arbeit Quelle von Mehrwert und Profit
ist. Mehrwert bezeichnet den Wert einer Ware, der durch menschliche
Arbeit an Rohstoffen und Vorprodukten diesen hinzugefügt wird und über
die Löhne und Gehälter, die die Arbeiter für ihre Arbeit erhalten haben,
hinaus geht. Der Mehrwert muss durch Verkauf der Ware auf dem Markt als
Profit realisiert werden. Der Konkurrenzdruck zwischen den verschiedenen
Kapitalisten zwingt sie dazu einerseits Löhne zu drücken und
andererseits durch den verstärkten Einsatz von Maschinen die
Produktivität zu steigern. Löhne und Gehälter nennt man variables
Kapital; Maschinen, Computer, Rohstoffe etc. nennt man konstantes
Kapital. Das Verhältnis von beiden verschiebt sich zugunsten des
konstanten Kapitals. Da aber nur menschliche Arbeit Mehrwert / Profit
schaffen kann, bedeutet das einen tendenziellen Rückgang der Profitrate.
Tendenziell, weil diese Entwicklung von anderen Entwicklungen zeitweilig
überlagert werden kann: Die verschärfte Ausbeutung der Arbeiterklasse
durch Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzungen führt zu einer Erhöhung
der Rate des Profits der aus der menschlichen Arbeit gezogen wird. Doch
die weitere Anhäufung von konstantem Kapital erdrückt schließlich alle
möglichen gegenläufigen Tendenzen. Die Profitraten sinken.
Damit lohnt es sich für die Kapitalisten immer weniger, ihr angehäuftes
Kapital zu investieren. Sie geben zwar immer noch einen nicht zu
unterschätzenden Teil für Luxus aus. Doch mit dem eigentlichen Kapital,
Geld im Einsatz zur Anhäufung von mehr Kapital, wird spekuliert oder es
wird zurück gehalten.
Heute zeigt sich dieses Kapital in Millionen, die täglich um den Globus
gejagt werden, auf der Suche nach Verwertung ohne langfristige
Anlagestrategie und mit wachsender Zockerei.
Die Arbeiterklasse kann diese Investitionsverweigerung der Kapitalisten
nicht auffangen. Obwohl sie alle Waren produziert, erhält sie ja nur
einen Teil davon in Lohn ausgezahlt. Es kommt zu Überproduktion und
Überkapazitäten. Greift das Problem um sich, so kommt es zur Krise.
In einer solchen Krise wird konstantes Kapital vernichtet und entwertet.
Im Klartext: Fabriken werden geschlossen, Produktionsmöglichkeiten
vernichtet. Erst auf dieser Grundlage kann eine neue Runde dieser
Entwicklung auf höherer Stufe eingeleitet werden. Es gibt letztlich nur
einen Ausweg aus diesen zyklischen Wirtschaftkrisen: Die Abschaffung des
Kapitalismus.
Globalisierung und Neoliberalismus
Die so genannte Globalisierung hebt diese Widersprüche und die
Krisenhaftigkeit des Systems nicht auf, sie ist vielmehr Ergebnis davon.
Als der Nachkriegsboom zu Ende ging, musste das Kapital auf seiner Jagd
nach profitablen Anlagemöglichkeiten versuchen, alle Schranken
einzureißen – Zollschranken, den so genannten Sozialstaat,
Wirtschaftszweige in öffentlichem Eigentum. Also wurden die von der
Arbeiterbewegung erkämpften Rechte angegriffen, um durch verschärfte
Ausbeutung der Lohnabhängigen die Profitraten zu steigern. Es wurde
privatisiert, um Bereiche, die bis dato nicht der Kapitalverwertung
ausgeliefert waren, in den kapitalistischen Markt zu integrieren. Und es
wurde verstärkt an den Finanzmärkten investiert, weil das höhere Gewinne
versprach, als Investition in Brücken, Krankenhäuser, Lebensmittel oder
Medikamente. Die Widersprüche des Kapitalismus wurden so nicht
aufgehoben, sondern verschärft. Heute ist die Weltwirtschaft ein Koloss
auf tönernen Füßen. Überhitzte Aktienmärkte, Spekulationsblasen auf den
Immobilienmärkten, ein völlig überbewerteter Dollar, eine US-Wirtschaft,
die auf Pump lebt – all das kann auf Dauer nicht so weiter gehen. Es
stellt sich nicht die Frage, ob es zu einer nächsten
Weltwirtschaftskrise kommt, sondern nur wann und wie tief sie sein wird.
Opfer der Krise werden aber einmal mehr nicht die Kapitalisten sein,
sondern die Millionen abhängig Beschäftigten, Erwerbslosen und Armen auf
der ganzen Welt.
Kapitalismus reformiern?
Kann der Kapitalismus reformiert werden? Gibt es ein zurück zur
‚sozialen Marktwirtschaft’? Viele Aktive aus Gewerkschaften und linken
Bewegungen denken, dass es leichter sei, den Kapitalismus zu
kontrollieren, Sozialgesetze zu verbessern und Löhne zu erhöhen, als ihn
zu überwinden.
Die SAV ist der Meinung, dass Massenbewegungen und vor allem Streiks und
Generalstreiks der Arbeiterbewegung Erfolge erkämpfen können. Wenn die
Kapitalisten ihre Profite und ihre Macht bedroht sehen, können sie durch
entschlossene Kämpfe zu Zugeständnissen gezwungen werden.
Doch kein Erfolg wird von Dauer sein, solange die Macht der Banken und
Konzerne nicht grundlegend gebrochen wird. Die Gesetze des Kapitalismus,
der Konkurrenzkampf und die Profitlogik, werden die herrschende Klasse
der Kapitalbesitzer immer wieder dazu zwingen, Errungenschaften der
Arbeiterbewegung rückgängig zu machen, die Umwelt zu verpesten, Kriege
zu führen. Wenn sie ihren Reichtum und ihre Macht ernsthaft bedroht
sehen, sind sie auch bereit demokratische Rechte abzuschaffen und
autoritäre Regime zu installieren. Das war 1933 in Deutschland der Fall,
als die Kapitalistenverbände Hitlers Machtergreifung finanzierten, um
durch ihn die Arbeiterbewegung zu zerschlagen und 1973 haben die
chilenischen Kapitalisten zusammen mit dem US-Imperialismus den
Pinochet-Putsch betrieben, um die sozialistische Regierung von Salvador
Allende zu stürzen. Zuletzt sah man das bei dem Versuch die linke
Regierung von Hugo Chàvez in Venezuela durch einen Militärputsch im Jahr
2002 zu stürzen oder – in "milderer" Form – bei den Wahlfälschungen in
den USA und Mexiko.
Deshalb ist es nötig, den Kampf für die unmittelbare Verbesserung
unserer Lebensverhältnisse mit dem Kampf für die Überwindung des
Kapitalismus zu verbinden. Das in dieser Broschüre dargelegte Programm
soll dabei behilflich sein. Es stellt Forderungen auf, von denen jede
einzelne umsetzbar wäre, die aber in ihrer Gesamtheit nur erreicht und
gesichert werden können, wenn die Verhältnisse vom Kopf auf die Füße
gestellt werden. Entscheidend ist dabei die Eigentumsfrage. Denn nur,
wenn die Wirtschaft der ganzen Gesellschaft gehört, kann sie auch von
der ganzen Gesellschaft kontrolliert und in ihrem Interesse eingesetzt
werden. Eine Gesellschaft, in der die Wirtschaft demokratisches
Gemeineigentum ist und in der Staat und Verwaltung ebenso demokratisch
aufgebaut sind, ist eine sozialistische Demokratie. Sie ist absolute
Notwendigkeit, um den Untergang der menschlichen Zivilisation in
Kriegen, Umweltzerstörung, Verrohung und Armut zu verhindern.
1.Enteignung der DAX-30-Konzerne und weiteren 150 größten Banken und
Konzerne und Überführung in öffentliches Eigentum; demokratische
Kontrolle und Verwaltung der öffentlichen Betriebe durch
Belegschaftskomitees und VertreterInnen der arbeitenden Bevölkerung;
Entschädigung nur bei erwiesener Bedürftigkeit
2.Statt überbezahlter Manager und korrupter Bürokraten:
durchschnittlicher Tariflohn und jederzeitige Wähl- und Abwählbarkeit
für alle Personen in Leitungsfunktionen in Wirtschaft, Verwaltung und
Staat
3.Statt Produktion in Konkurrenz und für den Profit – Entwicklung einer
demokratisch geplanten Wirtschaft zur Befriedigung der Bedürfnisse von
Mensch und Umwelt; Leitung und Koordinierung durch dezentrale und
zentrale Gremien, die demokratisch von Belegschaftskomitees und aus der
arbeitenden Bevölkerung gewählt werden
Die Arbeiterbewegung neu aufbauen – und zwar sozialistisch!
Es gibt unendlich viele Gründe für ArbeiterInnen, Erwerbslose und
Jugendliche, Widerstand zu leisten. Aber in den letzten zwei Jahrzehnten
gab es in Deutschland viele kampflose Niederlagen und wenig Beispiele
für erfolgreichen Widerstand. Die neoliberale Offensive der Kapitalisten
und ihrer Regierungen konnte nicht gestoppt werden. Der Grund hierfür
ist nicht, dass die Neoliberalen die besseren Argumente haben oder dass
die Kapitalisten einfach stärker und mächtiger als die Arbeiterklasse
sind. Der Grund ist, dass die Arbeiterklasse politisch und zunehmend
auch organisatorisch entwaffnet wurde. Sie hat die Argumente und das
Bewusstsein gegen die kapitalistische Logik „verloren“ bzw. sie sind ihr
genommen worden. Und ihre Organisationen, mit denen Widerstand
organisiert werden kann, sind entweder geschwächt oder ganz verschwunden.
SPD und Linkspartei.PDS
Wie konnte das geschehen? Vor 150 Jahren hat die Arbeiterklasse mit SPD
und Gewerkschaften Organisationen aufgebaut, die zur Verteidigung ihrer
Interessen und zum Kampf für eine sozialistische Veränderung der
Gesellschaft dienen sollten. Doch SPD und Gewerkschaften sind nicht mehr
das, was sie einmal waren.
Heute ist die SPD eine durch und durch pro-kapitalistische Partei. Bis
zum Ende der 80er Jahre war die SPD eine Partei, die zwar seit ihrer
Zustimmung zum 1. Weltkrieg 1914 eine pro-kapitalistische und
bürgerliche Führung hatte, aber auch eine Massenbasis in der
Arbeiterklasse. Heute sind die Ortsvereine entleert und bestehen aus
Rechtsanwälten, Akademikern und Unternehmern. ArbeiterInnen und aktive
Basis-GewerkschafterInnen verirren sich kaum noch zu SPD-Versammlungen.
Die Arbeiterklasse sieht die SPD nicht mehr als „ihre“ Partei. Damit ist
aber ein Vakuum auf der Linken entstanden. Denn trotz ihres begrenzten
Programms und ihrer pro-kapitalistischen Führung war die SPD viele
Jahrzehnte eine Massenpartei, durch die die Arbeiterklasse versuchte
ihre Interessen politisch zum Ausdruck zu bringen. Die entstandene
Leerstelle wurde nach der Vereinigung von BRD und DDR auch nicht durch
die PDS gefüllt. Diese war aufgrund ihrer stalinistischen Vergangenheit
und ihrer angepassten politischen Praxis in der Gegenwart nicht in der
Lage, Menschen zu begeistern und zu gewinnen. Die SAV ist deshalb seit
Mitte der neunziger Jahre für den Aufbau einer neuen Arbeiterpartei
eingetreten. Damit meinten wir eine Partei, die GewerkschafterInnen,
SozialistInnen, GlobalisierungskritikerInnen, Aktive aus sozialen
Bewegungen etc. zusammen bringt und vor allem ArbeiterInnen und
Jugendliche, die bisher nicht politisch aktiv waren, begeistern und
organisieren sollte. Wir sind davon überzeugt, dass es heute sehr viele
Menschen gibt, die sich einer solchen Partei anschließen würden, wenn
sie durch eine kämpferische und glaubwürdige Praxis unter Beweis stellen
würde, dass sie sich von den etablierten Parteien grundsätzlich
unterscheidet.
WASG
Als 2004 die WASG gegründet wurde, sahen wir darin eine Chance, dass
eine solche neue Partei entstehen kann und haben uns an ihrem Aufbau
beteiligt. Wir sind dabei für eine sozialistische Ausrichtung, eine
demokratische und offene Struktur und für eine kämpferische Praxis, die
eine Priorität auf die Unterstützung und Organisierung von Protesten und
Streiks legt, eingetreten.
Die Vereinigung der WASG mit der Linkspartei.PDS zur Partei DIE LINKE.
markiert einen Schritt in die falsche Richtung, denn die WASG wirft
wichtige Grundsätze über Bord und passt sich der Linkspartei.PDS an.
Dies gilt vor allem für die entscheidende Frage der
Regierungsbeteiligung in Koalitionen mit der SPD. Die grundsätzliche
Opposition der WASG gegen Regierungsbeteiligungen, die zu Sozialabbau
und Privatisierungen führen, war eine wichtige Lehre aus der
Rechtsentwicklung von SPD und L.PDS. Die neue Partei trägt in Berlin und
vielen ostdeutschen Kommunen eine Politik des Sozialabbaus und der
Privatisierungen mit. Und sie orientiert auch auf
Regierungsbeteiligungen auf Bundesebene. Das lehnt die SAV ab und hat
sich deshalb gegen die Fusion der beiden Parteien ausgesprochen.
Während in Ostdeutschland und Berlin die neue Partei eine reine
Fortsetzung der alten Linkspartei.PDS ist, ist das im Westen anders.
Hier ist DIE LINKE. an keiner Regierung beteiligt und sind ihr viele
linke AktivistInnen beigetreten, die hoffen, den Kurs der Partei zu
ändern. Hier ist die Partei Teil der Linken und der Arbeiterbewegung und
wird auch so von der Mehrheit der Arbeiterklasse und der Jugend gesehen.
Deshalb sind SAV-Mitglieder in Westdeutschland nicht aus der
fusionierten Partei ausgetreten und treten hier gemeinsam mit anderen
linken Kräften für einen grundlegenden Kurswechsel ein. Gleichzeitig
sind wir für die Bildung eines oppositionellen Netzwerks von Aktiven,
die innerhalb und außerhalb der neuen Partei wirken, um den Kampf für
eine sozialistische Massenpartei fortzusetzen. Denn die Notwendigkeit
eine Partei zu schaffen, die die Interessen von Lohnabhängigen und
Erwerbslosen vertritt und diesen ein Forum zum Widerstand und zur
politischen Debatte bietet, ist durch die Gründung der Partei DIE LINKE.
nicht geringer geworden. Im Gegenteil: wenn die neue Partei sich, wie zu
erwarten ist, nicht zu einer kämpferischen Interessenvertretung
entwickelt, wird das zu Enttäuschung unter vielen führen, die heute noch
gewisse Hoffnungen in sie setzen. Das wird auch die Gefahr erhöhen, dass
sich die Faschisten der NPD als radikal-oppositionelle Alternative
darstellen können.
Auf dieser Grundlage wird innerhalb und außerhalb der neuen Partei die
Frage, wie eine tatsächliche linke Partei geschaffen werden kann, neue
Aktualität erlangen und Schritte in diese Richtung ergriffen werden, an
denen sich die SAV wieder beteiligen wird.
Betriebe und Gewerkschaften
SAV-Mitglieder sind aktive GewerkschafterInnen und bauen in vielen
Betrieben gewerkschaftliche Strukturen und Betriebs- bzw. Personalräte
mit auf. Gleichzeitig halten wir die Politik der dominierenden Teile der
Gewerkschaftsführungen für einen Ausverkauf der Interessen der
Mitglieder. Seit Jahren dominiert in den Gewerkschaften das
Co-Management, wurde der Flächentarif unter Beteiligung der
Spitzenfunktionäre untergraben, Privatisierungen mitgetragen und
Arbeitsplatzvernichtung akzeptiert. Das Ergebnis sind sinkende
Mitgliedszahlen und eine Zunahme von Beschäftigtenorganisationen
außerhalb des DGB, wie die Pilotenvereinigung Cockpit oder die
Gewerkschaft der Lokführer GdL.
Die SAV ist der Meinung: es gibt keine Alternative zu starken
Gewerkschaften, um die unmittelbaren Interessen der Lohnabhängigen zu
verteidigen und im Verteilungskampf gegen die Kapitalisten ein Maximum
für die Beschäftigten heraus zu holen. Wir verstehen aber die vielen
KollegInnen, die sagen „zum Verzicht brauche ich keine Gewerkschaft“ und
voller Wut und Unzufriedenheit der Gewerkschaft den Rücken gekehrt haben
oder sich aus der aktiven Mitarbeit zurück gezogen haben. Die
Verantwortung hierfür liegt bei den überbezahlten Spitzenfunktionären
wie Michael Sommer und Frank Bsirske, die keine Ahnung mehr davon haben,
wie es sich mit sinkenden Reallöhnen und flexibilisierten Arbeitszeiten
so lebt. Deshalb treten wir für einen radikalen Kurswechsel in den
Gewerkschaften und für eine programmatische und personelle Erneuerung
ein. Wir stehen für kämpferische Gewerkschaften, die ihre Aufgabe darin
sehen konsequent die Interessen ihrer Mitglieder zu verteidigen. Um eine
solche Veränderung in den Gewerkschaften zu erreichen, ist der Aufbau
organisierter oppositioneller Gruppen in den Betrieben und
Gewerkschaften genauso nötig, wie ein Wiederaufbau und eine
Wiederbelebung der Gewerkschaften von unten. Deshalb unterstützen
SAV-Mitglieder die Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken
(IVG), das Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di und
kämpferische Betriebszeitungen wie Magentat bei der Telekom und
Aufstehen bei DaimlerChrysler und andere ähnliche Projekte.
Marxistische Organisation nötig
Der Aufbau von Gewerkschaften und einer neuen Arbeiterpartei mit einem
sozialistischen Programm sind wichtige und notwendige Schritte, um die
Arbeiterbewegung wieder aufzubauen. Die SAV leistet dazu einen Beitrag.
Denn nur wenn die Arbeiterklasse durch die Erfahrung in Kämpfen und
durch Selbstorganisation wieder ein sozialistisches Klassenbewusstsein
entwickelt, kann sie auch zur Trägerin einer sozialistischen Veränderung
der Gesellschaft werden. In diesen Kämpfen und Versuchen
Arbeiterorganisationen aufzubauen, werden sich viele politische Fragen
über Programm, Taktik und Strategie stellen. Um diese korrekt zu
beantworten und eine sozialistische Perspektive zu entwickeln ist der
Aufbau einer marxistischen Organisation notwendig, die kollektiv die
Erfahrungen der Arbeiterbewegung verarbeitet, daraus die richtigen
Schlussfolgerungen zieht und die sozialistische Zielsetzung nicht aus
den Augen verliert. Um angesichts des kapitalistischen Weltmarkts und
der Globalisierung eine Lösung entwickeln zu können ist eine
internationalistische Perspektive und eine internationale Organisierung
notwendig. Deshalb ist die SAV Teil des Komitees für eine
Arbeiterinternationale (englische Abkürzung CWI), einer weltweiten
marxistischen Organisation mit Sektionen in über 35 Ländern auf allen
Kontinenten.
Die Geschichte der Arbeiterbewegung des 20. Jahrhunderts, aber auch die
Erfahrungen der Massenbewegungen und Aufstände in Lateinamerika am
Beginn des 21. Jahrhunderts zeigen, dass die Arbeiterklasse zwar spontan
in der Lage ist Regierungen zu stürzen und Revolutionen zu beginnen.
Ohne eine bewusste marxistische Führung und in den Betrieben und
Nachbarschaften verankerte marxistische Organisation, diese Aufstände
und Revolutionen aber nicht gesichert werden können und zu einer
tatsächlichen Überwindung des Kapitalismus führen. Historisch war die
einzige Ausnahme die Russische Revolution 1917, in der die demokratisch
gewählten Arbeiter- und Soldatenräte die Macht ergreifen konnten, weil
an ihrer Spitze mit den Bolschewiki eine erfahrene und gut organisierte
Partei stand, die die Kräfte in einer erfolgreichen Strategie und Taktik
bündeln konnte. In unzähligen anderen Fällen – von der deutschen
Revolution 1918/19 bis zur nicaraguanischen Revolution 1979 –
scheiterten Massenaufstände und revolutionäre Situationen an dem Fehlen
einer solchen marxistischen Organisation. Deshalb ist es das Ziel der
SAV und des CWI starke marxistische Massenorganisationen aufzubauen, die
in der Lage sein werden Geburtshelferinnen der sozialistischen
Veränderung der Gesellschaft und der Machteroberung durch die arbeitende
Bevölkerung zu sein.
1. Für einen Kurswechsel der DGB-Gewerkschaften - für kämpferische und
demokratische Gewerkschaften; um das zu erreichen ist der Aufbau
innergewerkschaftlicher Oppositionsgruppen nötig
2. Für jederzeitige Wähl- und Abwählbarkeit von
Gewerkschaftsfunktionären; kein Funktionär darf mehr verdienen, als
einen durchschnittlichen Tariflohn
3. Für demokratische Kontrolle der Belegschaften und
Gewerkschaftsmitglieder über Streiks und Arbeitskämpfe; keine
Unterschrift und kein Abschluss ohne Zustimmung von Streikversammlungen
und Urabstimmungen
4. Für internationale Gegenwehr gegen imperialistische Institutionen und
multinationale Konzerne; internationale Koordinierung und Vernetzung von
Betriebsräten und Vertrauensleuten; Durchführung konzernweiter und
internationaler Aktions- und Streiktage gegen Entlassungen und
Lohnverzicht
5. Für eine sozialistische Massenpartei von Lohnabhängigen,
Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen. Leider hat die Partei DIE
LINKE kein Programm und keine politische Praxis, die eine Entwicklung zu
einer solchen Partei erwarten lässt. Deshalb tritt die SAV für die
Schaffung eines oppositionellen antikapitalistischen Netzwerks von
Aktiven innerhalb und außerhalb der LINKEN ein, das die weitere
Anpassung der Partei an die kapitalistische Logik bekämpft und
perspektivisch Schritte hin zu einer sozialistischen Massenpartei
ergreifen kann.
6. Gegen Regierungsbeteiligungen linker Parteien mit
bürgerlich-kapitalistischen Parteien; Regierungsbeteiligungen nur, wenn
sie zu einer Politik im Interesse der arbeitenden Bevölkerung und gegen
die Interessen der Kapitalbesitzer genutzt werden können
Was ist Sozialismus .... und was nicht?
Es hat noch keinen Sozialismus auf der Welt gegeben. Nicht in der
Sowjetunion, nicht in der DDR, nicht in China. Sozialismus bedeutet
weltweit Gemeineigentum an den Produktionsmitteln und demokratische
Kontrolle und Verwaltung der Gesellschaft durch die arbeitende
Bevölkerung. Im Sozialismus gibt es keine repressiven Staatsapparate, er
ist die freie Verbindung der Menschen ohne Zwang und Not.
Die Diktaturen der Parteibürokratien in den Staaten, die sich
sozialistisch nannten, waren schlechte Karikaturen auf den Sozialismus.
Es waren stalinistische Staaten – auch nach Stalins Tod. In der
Sowjetunion, China und der DDR herrschte nicht die Arbeiterklasse,
sondern sie wurde beherrscht – von einer Clique privilegierter
Bürokraten in Partei und Staat. In einer wirklich sozialistischen
Gesellschaft würde tatsächliche Demokratie herrschen. Das bedeutet
nicht, dass die Menschen nur alle vier Jahre wählen dürfen, wer über sie
regiert (und wer sie belügt und betrügt). Das bedeutet, das auf allen
Ebenen der Gesellschaft Strukturen direkter Demokratie geschaffen
werden, die die Kontrolle und Verwaltung von Wirtschaft und Gesellschaft
übernehmen.
Dabei wird sich eine sozialistische Demokratie schon dadurch von der
bürgerlich-kapitalistischen Demokratie unterscheiden, dass in ihr die
demokratischen Rechte nicht am Betriebstor halt machen. Eine
Demokratisierung der Wirtschaft setzt aber voraus, dass diese nicht im
Privateigentum einer Minderheit ist, sondern der gesamten Gesellschaft
gehört. Deshalb ist die Überführung der großen Banken, Konzerne und
Versicherungen in öffentliches Eigentum eine notwendige Voraussetzung
zur Entwicklung einer sozialistischen Demokratie.
Das bedeutet nicht, dass jegliches Privateigentum abgeschafft wird.
Weder das eigene Auto, noch der Fernseher und auch nicht das eigene
Häuschen (für die, die es haben) würde enteignet. Etwas verlieren werden
durch Sozialismus nur die superreichen Kapitalisten, Großaktionäre und
Grundbesitzer. Auch selbständige Handwerker und kleine Gewerbetreibende
würden von einer Überwindung des Kapitalismus profitieren, denn sie
würden nicht mehr von den Großbanken ausgepresst und im Konkurrenzkampf
zermahlen.
Sozialistische Demokratie
In einer sozialistischen Demokratie würden auf allen Ebenen
VertreterInnen gewählt, die in der Wirtschaft, der Kommune, dem
Bildungswesen etc. Leitungsaufgaben übernehmen. Diese VertreterInnen
wäre jederzeit wähl- und abwählbar. Dadurch wäre eine permanente
Kontrolle und Interventionsmöglichkeit der Basis gewährleistet. Wenn die
ArbeiterInnen im Betrieb, die BewohnerInnen des Stadtteils oder die
Beschäftigten und Studierenden an der Hochschule zu der Erkenntnis
gelangen, dass gewählte VertreterInnen ihre Aufgabe schlecht erledigen,
könnten sie diese jederzeit abwählen und durch andere Personen ersetzen.
Solche gewählten VertreterInnen würden – anders als im Kapitalismus und
in den stalinistischen Staaten – keine finanziellen oder andere
materiellen Privilegien erhalten, sondern nur einen Lohn entsprechend
des Durchschnitts in der arbeitenden Bevölkerung bekommen. Die
finanzielle Privilegierung von Bundestagsabgeordneten, aber auch von
Gewerkschaftsfunktionären, führt dazu, dass sie „abheben“ und die Ängste
und Nöte derjenigen Menschen, die sie eigentlich vertreten sollen, nicht
mehr kennen.
Durch die Durchführung von regelmäßigen Vollversammlungen in Betrieben,
Nachbarschaften und Bildungseinrichtungen und durch die demokratische
Wahl von Komitees auf allen Ebenen, würde die Masse der Bevölkerung in
die Diskussionen und Entscheidungsfindungen einbezogen. Ausgehend von
den lokalen und betrieblichen Komitees würde Delegierte auf regionale,
nationale und internationale Ebenen entsendet und könnten dort
Leitungsgremien – Regierungen – bilden. Der russische Revolutionär Lenin
hat einmal gesagt, dass jede Köchin Ministerpräsidentin werden können
muss und sich für die Rotation von Ämtern ausgesprochen. Dies würde
möglich, wenn durch eine radikale Verkürzung der Arbeitszeit, durch
ganztägige Kinderbetreuung und einen massiven Ausbau des Bildungswesens
alle Menschen in die Lage versetzt werden, an Diskussionen und
Entscheidungen teilzunehmen.
Auch einen von der Bevölkerung separierter und privilegierter
Staatsapparat (Polizei, Militär, Justiz) würde es nicht mehr geben.
Polizei- und Justizaufgaben, so sie überhaupt noch nötig sind, würden
ebenfalls von demokratisch gewählten Gerichten und Milizen übernommen.
Alles utopisch?
Kann das überhaupt funktionieren? Die Geschichte hat immer wieder
gezeigt, dass die Arbeiterklasse in der Lage ist, sich zu organisieren
und ihre Geschicke in die eigenen Hände zu nehmen. Ob die Bildung der
Räte in der deutschen Revolution 1918/19 oder der Aufbau von starken
Gewerkschaften. Selbst das ehrenamtliche Engagement von Millionen in
Sportvereinen, Mietervereinigungen und anderen Vereinen ist ein Hinweis
auf das Potenzial, das für eine Selbstverwaltung in der Bevölkerung
besteht.
Kann eine Planwirtschaft funktionieren? Demokratische Planwirtschaft
bedeutet zur Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen zu produzieren –
und dabei den Erhalt der Umwelt als ein oberstes Bedürfnis zu verstehen.
Es ist heute, im Zeitalter von Internet und Mobilfunk, ein leichtes, die
Bedürfnisse der Menschen festzustellen. Tatsächlich wird im Kapitalismus
ja auch geplant. Die großen Konzerne geben viel Geld für die
Marktforschung aus, aber sie planen gegeneinander. Im Sozialismus wird
Kooperation groß geschrieben und Konkurrenz abgeschafft.
Aber es geht nicht nur darum sicher zu stellen, dass alle Menschen die
Jeans bekommen, die sie sich wünschen und ausreichend verschiedene
Käsesorten im Supermarktregal vorhanden sind. Nur in einer
demokratischen Planwirtschaft könnte Forschung und Technologie auf die
wichtigsten Bereiche für die Menschheit konzentriert werden: Rettung der
Umwelt, Abschaffung des Hungers, Bekämpfung von Aids und anderen
todbringenden Krankheiten und Seuchen. Durch eine Beendigung der
Aufrüstung, durch das Einstellen der blödsinnigen Werbe- und
Verpackungsindustrie, durch die Bereitstellung wissenschaftlicher
Erkenntnisse für alle würden die Voraussetzungen geschaffen viel mehr
Geld und Wissen in diese Bereiche zu stecken.
Der Stalinismus
Haben Sowjetunion und DDR nicht bewiesen, dass Sozialismus nicht
funktioniert? Die Erfahrungen in den Ländern, die sich sozialistisch
nannten, zeigen nur, dass Sozialismus Demokratie braucht und dass er auf
Dauer nur weltweit durchgesetzt werden kann.
Mit der Oktoberrevolution 1917 machte die Arbeiterklasse in Russland den
Versuch, Kapitalismus zu überwinden und den Weg zum Sozialismus
einzuschlagen. In der ersten Phase nach der Revolution war der neue
sowjetische Arbeiterstaat die demokratischste Gesellschaft, die es
bisher in der Menschheitsgeschichte gab. Aber die russische
Arbeiterklasse geriet unter starken Druck. Die russischen Kapitalisten
und ihre Freunde in den imperialistischen Staaten zwangen dem jungen
Staat einen Bürgerkrieg auf, der Wirtschaft und Gesellschaft noch weiter
zurück fallen ließ, als dies durch den Ersten Weltkrieg ohnehin schon
geschehen war. Viele der politisch bewusstesten Arbeiter fielen im
Bürgerkrieg, die Wirtschaft wurde zerstört, Hungersnöte brachen aus.
Hinzu kam, dass das Kultur- und Bildungsniveau in dieser
landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft ohnehin sehr niedrig war. Die
Bedingungen für die Arbeiterklasse eine demokratische Kontrolle und
Verwaltung von Wirtschaft und Gesellschaft umzusetzen waren denkbar
schlecht. Der neue Staat hatte viele Beamte und Leitungsfunktionäre aus
der alten zaristischen Gesellschaft übernehmen müssen – und sie zum Teil
durch höhere Gehälter für ihre Dienste an der neuen Gesellschaft
bestechen müssen. Dessen waren sich die wichtigsten Führer der
Russischen Revolution, Lenin und Trotzki, sehr bewusst. Deshalb betonten
sie unermüdlich, dass die Arbeitermacht in Russland nur wird überleben
können, wenn sie durch siegreiche sozialistische Revolutionen in Europa
Unterstützung finden würde. Dies blieb aus. Die Revolutionen in
Deutschland, Ungarn, Italien endeten in Niederlagen für die
Arbeiterklasse. Sowjet-Russland blieb isoliert und geschwächt.
Vor diesem Hintergrund entwickelte sich in Russland eine privilegierte
bürokratische Elite aus dem Funktionärsapparat der führenden
bolschewistischen Partei und des Staates. Stalin wurde zur
Personifizierung dieser Bürokratie, aber auch nach seinem Tod änderte
sich nichts an den grundlegenden gesellschaftlichen Strukturen in diesen
Staaten. Diese Bürokratie wirkte wie ein Krebsgeschwür in der
Planwirtschaft. Jegliche demokratischen Debatten, Wahlen und
Entscheidungsfindungen wurden durch sie unterbunden. Ein von Korruption
und Konservatismus geprägter Staatsapparat entstand, der sich immer mehr
im Widerspruch zur Masse der Bevölkerung befand.
Planwirtschaft führte zu Fortschritt
Gleichzeitig blieb der Kapitalismus bis 1989/90 abgeschafft und wurde
die Wirtschaft nicht durch Konkurrenzkampf und Profitlogik dominiert.
Dies führte dazu, dass die Sowjetunion eine beachtliche wirtschaftliche
Entwicklung erreichte und die sozialen Grundbedürfnisse der Menschen in
den stalinistischen Staaten gesichert werden konnten. In diesem Sinne
hat sich die Überlegenheit einer Planwirtschaft, wenn auch in verzerrter
Form, in den stalinistischen Staaten gezeigt. Im negativen Sinne auch
seit dem Zusammenbruch dieser Staaten: denn außer Reisefreiheit (die
viele nicht nutzen können, weil ihnen das nötige Kleingeld fehlt),
Coca-Cola, Internet und anderen Konsumgütern, hat die Wiedereinführung
des Kapitalismus in diesen Staaten auch Massenarbeitslosigkeit, Armut,
soziale Unsicherheit, Prostitution gebracht.
Die SAV ist und ihre Vorgängerorganisation Voran war eine kompromisslose
Gegnerin des Stalinismus. Wir stehen in der Tradition von Leo Trotzki
und der von ihm gegründeten Linken Opposition und Vierten
Internationale, die den Kampf für eine Abeiterdemokratie auf Basis der
verstaatlichten Planwirtschaft in der Sowjetunion seit Mitte der 20er
Jahre führten.
Ein Ein-Parteien-Regime und Funktionärsprivilegien waren niemals die
Ziele wirklicher SozialistInnen und werden von der SAV nicht zuletzt
aufgrund der Erfahrungen mit dem Stalinismus grundsätzlich abgelehnt.
Was ist Trotzkismus?
Als das SAV-Mitglied Lucy Redler im Jahr 2006 zur Spitzenkandidatin der
WASG Berlin gewählt wurde, begannen die Medien regelmäßig vom
Trotzkismus zu schreiben. Selbst der Chef des Marburger Bundes,
Montgomery, wure als der "Trotzkist des Gesundheitswesens" und
Fußball-Bundestrainer Löw auch als Anhänger der trotzkistischen
"permanenten Revolution" (auf seine Trainingsmethoden bezogen)
bezeichnet.
Trotzkismus ist moderner Marxismus. Trotzki führte den Kampf gegen die
Stalinisierung der Sowjetunion und für Freiheit der Kritik und
demokratische Rätestrukturen in der Gesellschaft. Er kritisierte die
Entwicklung hin zur Diktatur unter Stalin und musste dafür 1940 selber
mit dem Leben bezahlen, als er von einem stalinistischen Agenten
ermordet wurde.
Doch Trotzki war nicht nur Kritiker des Stalinismus. Er entwickelte die
marxistische Theorie und Politik entscheidend weiter. Seine Theorie der
"Permanenten Revolution" gibt eine Anwort darauf, wie Länder mit
halbfeudalen Strukturen, wie Russland 1917 und große Teile
Lateinamerikas, Afrikas und Asiens heute, ihre Rückständigkeit
überwinden können.
Ende der 20er Jahre war er der erste, der die Gefahr der Nazis erkannte
und für eine Arbeitereinheitsfront aus Kommunistischer Partei und
Sozialdemokratischer Partei argumentierte, um die Machtergreifung
Hitlers zu verhindern.
Nachdem die Kommunistische Internationale aufgehört hatte, ein
Instrument für den Befreiungskampf der Arbeiterklasse zu sein, gründete
Trotzki mit seinen weltweiten UnterstützerInnen die Vierte
Internationale als neue weltweite sozialistische Kampforanisation. In
dieser Tradition steht die SAV und das Komitee für eine
Arbeiterinternationale.
Heute ist der Trotzkismus die Strömung in der Linken, die sich
konsequent für eine Strategie zur Überwindung des Kapitalismus einsetzt,
die für eine internationale unabhängige Organisierung der Arbeiterklasse
kämpft und die den Wiederaufbau der Arbeiterbewegung voran treibt.
Ist Sozialismus erreichbar?
Eine Gesellschaft, die von der Mehrheit der Bevölkerung kontrolliert und
verwaltet werden soll, kann nur durch die Mehrheit der Bevölkerung auch
erreicht werden.
Die Arbeiterklasse ist die Kraft in der Gesellschaft, die die
Möglichkeit hat, den Kapitalismus zu stürzen und eine andere
Gesellschaft zu organisieren. Warum? Weil sie die entscheidende Stellung
im Produktionsprozess, in der Wirtschaft hat. Sie kann die Kapitalisten
durch Streiks nicht nur da treffen, wo es ihnen weh tut – beim Profit.
Sie kann auch die ganze Wirtschaft aus den Händen der Privateigentümer
in die eigenen Hände übernehmen – durch Betriebsbesetzungen und den
Aufbau von Belegschaftskomitees. Denn es geht um mehr als nur einen
Regierungswechsel auf der Basis unveränderter gesellschaftlicher
Verhältnisse.
Der Kapitalismus kann nur überwunden werden durch die bewusste Aktion
der Arbeiterklasse. Streiks, Generalstreiks, Betriebsbesetzungen,
Aufstände sind nötig, um die Macht der Banken und Konzerne zu brechen
und die ersten Schritte zu einer sozialistischen Gesellschaft zu gehen.
Ohne Revolution wird das nichts. Revolution bedeutet die bewusste
Veränderung der Macht- und Eigentumsverhältnisse durch die Mehrheit der
Bevölkerung. Revolutionen werden nicht von Organisationen und Parteien
gemacht, sie sind Ergebnis der gesellschaftlichen Widersprüche und
werden von den Massen selber begonnen. Aber eine Revolution braucht ein
Programm, eine Organisation und eine Führung, um erfolgreich zu sein.
Deshalb ist der Aufbau einer starken marxistischen Organisation nötig.
Heute hat die Arbeiterklasse keine starken Organisationen, die
konsequent ihre Interessen vertreten und sich eine sozialistische
Veränderung zum Ziel setzen. Auch in der Arbeiterklasse gibt es zwar
viel Unzufriedenheit mit den Verhältnissen im Kapitalismus und auch
wachsende Sympathien für sozialistische Ideen, aber es gibt kein
ausgeprägtes sozialistisches Bewusstsein.
Und trotzdem finden täglich Kämpfe statt, in denen ArbeiterInnen,
Erwerbslose, Jugendliche in einen Widerspruch zu den bestehenden
kapitalistischen Verhältnissen geraten. Ob Streiks gegen
Betriebsschließungen oder für Lohnerhöhungen, ob Kampagnen gegen die
Privatisierung von Wohnraum und Krankenhäusern, ob Jugendproteste gegen
Studiengebühren und Bildungsnotstand oder ob die seit Jahren
stattfindenden Massenproteste gegen Gipfeltreffen von IWF, EU und G8.
Die Massenbewegungen in Lateinamerika, die in einigen Ländern neue linke
Regierungen ins Amt gebracht haben, sind ein Vorbote von Entwicklungen,
die auch in Europa stattfinden werden. Warum wir uns da so sicher sind?
Weil die von Entlassungen und Sozialabbau betroffenen gar keine andere
Wahl haben, als sich zur Wehr zu setzen.
Aber es bedarf einer starken Organisation und es bedarf der richtigen
Ideen, um Kämpfe und Bewegungen zum Erfolg zu führen. Deshalb bauen wir
mit der SAV eine marxistische Organisation auf, die sozialistische Ideen
in diese Kämpfe und Bewegungen hinein trägt. Damit Forderungen und
Strategien entwickelt werden, die zum Erfolg führen.
SAV und CWI
Die SAV ist eine aktive und kämpferische Organisation. Mit unserer
Monatszeitung „Solidarität – Sozialistische Zeitung“, unserer Webseite
www.sozialismus.info, unserem halbjährlichen Magazin sozialismus.info
und mit Broschüren, Flugblättern, Veranstaltungen und Plakaten
verbreiten wir sozialistische Ideen. Wir beteiligen uns aber auch aktiv
am Aufbau der Arbeiterbewegung, von Jugendprotesten, am
antifaschistischen Widerstand und in der globalisierungskritischen
Bewegung.
Trotz der Tatsache, dass wir noch eine relativ kleine Organisation sind,
können wir auf viele wichtige und erfolgreiche Kampagnen und Aktivitäten
zurück blicken.
Im Jahr 2003 hat die SAV die Initiative zur Bildung von „Jugend gegen
Krieg“-Gruppen in ganz Deutschland ergriffen. Diese haben nach Beginn
des Kriegs gegen den Irak Schülerstreiks organisiert, an denen sich über
200.000 Schülerinnen und Schüler beteiligt haben. Die SAV hat in diesen
JgK-Gruppen erreicht, dass nicht nur der Angriff der USA-geführten
Allianz gegen den Irak veurteilt wurde, sondern auch die
imperialistische Außenpolitik Deutschlands kritisiert und der Abzug
deutscher Soldaten aus dem Ausland gefordert wurde.
Im Sommer 2003 ergriff die SAV die Initiative zu einer bundesweiten
Aktionskonferenz mit dem Ziel eine Großdemonstration gegen die von der
Schröder-Regierung beschlossene Agenda 2010 durchzuführen. Trotz eines
Boykotts der Gewerkschaftsführungen nahmen am 1. November 2003 100.000
Menschen, darunter viele BasisgewerkschafterInnen, an dieser
Demonstration teil, die der Auftakt von vielen Streiks und Massendemos
gegen Agenda 2010 und Hartz IV war.
Wir waren von Anfang an Teil der WASG, weil wir die Idee einer breiten
und kämpferischen politischen Interessenvertretung für Lohnabhängige und
Erwerbslose unterstützen. Die SAV hatte schon seit einigen Jahren die
Idee einer neuen Arbeiterpartei verbreitet. In der WASG sind wir für
eine kämpferische Praxis, demokratische Strukturen und eine
sozialistische Politik eingetreten. Wir haben die Fusion mit der
Linkspartei.PDS zur Partei DIE LINKE nicht unterstützt, weil damit eine
politische Anpassung der WASG an die Regierungspolitik der L.PDS im
Berliner Senat vollzogen wurde. In Berlin war die SAV ein maßgeblicher
Bestandteil des WASG-Lanesverbandes, der sich dem Anschluss an die L.PDS
widersetzte und im September 2006 eigenständig zu den Berliner
Abgeordnetenhauswahlen kandidierte und 50.000 Stimmen erzielte.
Spitzenkandidatin der WASG war das SAV-Mitglied Lucy Redler.
Die SAV setzt ihren Schwerpunkt auf außerparlamentarische Aktivitäten,
denn wir wissen, dass die Gesellschaft nicht durch die Parlamente,
sondern durch Bewegungen in den Betrieben und auf der Straße verändert
wird. Aber wir beteiligen uns an Wahlen, um eine Alternative zum
Einheitsbrei der bürgerlichen Parteien anzubieten und sozialistische
Ideen zu verbreiten. SAV-Mitglieder in Rostock, Köln, Aachen, Berlin und
anderen Orten wurden in Kommunalparlamente gewählt. In Rostock geschah
dies mit einer Kandidatur der SAV, in Berlin auf den Listen der WASG und
in den anderen Städten als Teil linker Kommunalbündnisse. Die
SAV-Mitglieder in Kommunalparlamenten nehmen keine mit ihren Mandaten in
Verbindung stehenden Privilegien an und bereichern sich nicht durch den
Erhalt von Sitzungsgeldern und Aufwandsentschädigungen. Alles Geld, was
über die mit dem Mandat entstehenden Kosten hinaus geht, wird in die
politische Arbeit gesteckt.
In Rostock konnte die SAV die Arbeit ihrer Bürgerschaftsabgeordneten
Christine Lehnert immer wieder mit der Organisierung von Protesten vor
den Bürgerschaftssitzungen verbinden. Das führte zu Zugeständnissen der
Bürgerschafts-Mehrheit: so gibt es in Rostock moderatere Regelungen
bzgl. der Ein-Euro-Jobs und wurde ein Sozialticket für den öffentlichen
Nahverkehr eingeführt.
In Kassel haben SAV-Mitglieder eine wichtige Rolle dabei gespielt über
viele Jahre die Privatisierung des Klinikums zu verhindern.
SAV-Mitglieder sind in Betrieben und Gewerkschaften aktiv und setzen
sich für kämpferische und demokratische Gewerkschaften ein. Wir sind
aktiv im Netzwerk für eine demokratische und kämpferische ver.di und in
der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken und unterstützen
die Herausgabe von kritischen Belegschaftsblättern bei der Telekom und
DaimlerChrysler.
Die Ortsgruppen der SAV organisieren auch die Bildungsarbeit über
politische Referate und Diskussionen auf den wöchentlichen Sitzungen und
zusätzlich stattfindende Schulungstreffen und Seminare. Einmal jährlich
finden in Berlin die Sozialismustage statt, eine bundesweite öffentliche
Diskussionskonferenz, an der in den letzten Jahren jährlich ca. 400
BesucherInnen teilgenommen haben.
Als Internationalisten beteiligen wir uns an den Mobilisierungen gegen
die Gipfel der Mächtigen (IWF, EU, G8) und wir organisieren
internationale Solidarität mit GewerkschafterInnen und SozialistInnen in
vielen Ländern, aktuell in Venezuela, Sri Lanka, Nigeria und Pakistan.
Die SAV ist eine aktive und demokratische Organisation. Unsere
Ortsgruppen treffen sich auf wöchentlicher Basis und diskutieren und
entscheiden die Aktivitäten vor Ort. Alle Mitglieder in Ortsgruppen-,
Stadt oder Bundesvorständen sind jederzeit wähl- und abwählbar und der
Basis gegenüber rechenschaftspflichtig. Hauptamtliche MitarbeiterInnen
der SAV und Abgeordnete dürfen nicht mehr verdienen als einen
durchschnittlichen Arbeitnehmerlohn und keine Privilegien annehmen.
Mindestens alle zwei Jahre findet eine Bundeskonferenz statt, die die
bundesweite Politik und Aktivitäten diskutiert und entscheidet und einen
Bundesvorstand wählt.
Und es gilt: demokratisch gefällte Beschlüsse werden gemeinsam
umgesetzt. So wie bei einem Streik Mehrheitsentscheidungen für die
KollegInnen bindend sind, sind auch in der SAV Mehrheitsentscheidungen
für die politischen Aktivitäten aller Mitglieder und Ortsgruppen
bindend. Dies ermöglicht es auch eine gemeinsame Bilanz von
Mehrheitsentscheidungen zu ziehen und ggf. Fehler zu korrigieren.
Eine Internationale aufbauen
Als Teil des Komitees für eine Arbeiterinternationale (CWI) entsendet
die SAV auch Delegierte zu den regelmäßig stattfindenden Weltkongressen
und hat VertreterInnen im Internationalen Exekutivkomitee des CWI. Das
CWI versteht sich als eine internationale sozialistische Organisation,
hat demokratisch gewählte Strukturen und es gibt einen regen Austausch
zwischen den verschiedenen nationalen Sektionen und zum Internationalen
Büro in London.
Die größte Sektion des CWI gibt es in England und Wales. Hier war das
CWI in den 70er und 80er Jahren als die Militant-Strömung innerhalb der
Labour Party bekannt, als diese noch eine aktive Massenbasis in der
britischen Arbeiterklasse hatte. Von 1983 bis 1987 führten
Militant-Mitglieder die Labour Party in Liverpool und gewannen dort eine
Mehrheit im Stadtrat. Dort setzten sie eine sozialistische
Kommunalpolitik um, die sich den Kürzungsvorgaben der Zentralregierung
widersetzte und eine Politik im Interesse der arbeitenden Bevölkerung
durchsetzte. Es wurden Wohnungen gebaut, die Arbeitszeit für die
städtischen Beschäftigten reduziert, neue Arbeitsplätze geschaffen und
die Schulen besser ausgestattet. Dies, obwohl die finanzielle Situation
der Stadt eigentlich keine Verbesserungen dieser Art zugelassen hätte.
Die sozialistische Mehrheit im Stadtrat handelte aber nach dem Prinzip
"besser das Gesetz brechen, als den Armen das Rückgrat" (better to break
the law than the poor) und beschlossen formell illegale, unausgeglichene
Haushalte und mobilisierte die Arbeiterklasse der Stadt im Kampf, diese
Gelder von der Zentralregierung zu erhalten. Es gab mehrere
Massendemonstrationen und einen Generalstreik zur Unterstützung dieser
Politik. Der sozialistische Stadtrat konnte von der damaligen
Premierministerin Thatcher nur durch eine Amtsenthebung gestoppt werden.
Zu Beginn der 90er Jahre führte Militant in Großbritannien die Kampagne
gegen die ungerechte Poll Tax (kommunale Kopfsteuer). Am Zahlungsboykott
beteiligten sich bis zu 18 Millionen Menschen. Heute heißt die damalige
Militant-Strömung Socialist Party und hat unter anderem eine starke
Verankerung in den Gewerkschaften mit über 20 SP-Mitgliedern, die in
nationale Gewerkschaftsvorstände gewählt wurden.
In Pakistan baut die Socialist Movement Pakistan mit der Kampagne für
gewerkschaftliche Rechte eine Struktur auf, die die stark zersplitterte
Gewerkschaftsbewegung zusammen bringt und eine wichtige Rolle bei
Streiks spielt.
In Sri Lanka steht die United Socialist Party an der Spitze des Kampfes
gegen die rassistische Diskriminierung der tamilischen und moslemischen
Bevölkerungsteile und gegen den Bürgerkrieg. Ihr Generalsekretär
Siritunga Jayasuriya erlangte den, wenn auch abgeschlagenen, dritten
Platz bei den letzten Präsidentschaftswahlen und ist seitdem einer der
prominentesten Fürsprecher für Minderheitenrechte und deshalb massiv von
Mordrohungen und Angriffen von durch die Regierung gedeckten
rassistischen singhalesischen Kräften ausgesetzt.
In Brasilien hat sich Socialismo Revolucionario an der erfolgreichen
Gründung der neuen sozialistischen Kraft, Partei für Sozialismus und
Freiheit (P-SoL) beteiligt und baut diese zusammen mit anderen Kräften
auf.
In Irland hat die Socialist Party seit zehn Jahren mit Joe Higgins einen
Abgeordneten im irischen nationalen Parlament. Er ist als unermüdlicher
Kämpfer für die Rechte der Arbeiterklasse im ganzen Land bekannt und
gilt als die einzige wirkliche Opposition im Parlament. 2003 ging er für
einen Monat ins Gefängnis, weil er die Straßenblockaden von Dubliner
BürgerInnen gegen die Einführung von Müllgebühren unterstützte. Zum
Zeitpunkt der Endredaktion dieser Broschüre kämpft die Socialist Party
gerade um den Wiedereinzug von Joe Higgins ins Parlament, nachdem die
Regierung eine Wahlkreisreform durchgeführt hatte, die seinen Wahlkreis
stark zu seinen Ungunsten veränderte.
Es gibt viele weitere Beispiele für die praktische Arbeit der
CWI-Sektionen im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung.Ob die
Kampagne gegen Wahlbetrug in Nigeria oder die Schülerstreiks gegen den
Krieg in den USA, ob die Unterstützung der kämpferischen
Bergarbeitergewerkschaft in Polen oder die Kampagne für eine neue linke
Partei in Belgien. Gleichzeitig betreibt das CWI mit der Webseite
www.socialisworld.net die attraktivste und lebendigste internationale
sozialistische Webseite mit täglichen Berichten und Analysen aus der
ganzen Welt. Das CWI ist eine tatsächliche Weltorganisation für den
internationalen Sozialismus.
Wenn Dir die Ideen, die wir in dieser Broschüre dargestellt haben,
gefallen, solltest Du nicht zögern und heute noch Mitglied der SAV und
des CWI werden!
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